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Beschreibung des künstlerischen Wertes des Mahnmals


Aus der Akte der Dortmunder Denkmalbehörde



Ausführung:  44227-026

Künstler:  Fritz Richter-Elsner

Zustand:  gut

Titel:  Kriegerdenkmal in Großholthausen, Gefallene 1914-1918 und 1939-1945

Beschriftung:  Bronzetafel rechts am Eingang: „Das Ehrenmal für Kriegsopfer,/ das von den aufrechtstehenden/ Wachsoldaten beherrscht wird,/ verdrängt Tod und Trauer,/ verschweigt   die Sinnlosigkeit des Krieges./ Es ist eine historische Darstellung/ und ein Zeugnis der Zeit./ 1935 hat das nationalsozialistische/ Regime bereits den Zweiten/ Weltkrieg vorbereitet.

Jahr:  1938/1939

Zuständige Behörde:  Grünflächenamt, Denkmalbehörde

Technik/Material:  Sandstein, Bruchstein, Bronze

Fotos: 26-44227_a-k

Masse - Höhe: ca. 3 m

Internetadresse für Fotos: 26-44227_a-k

Masse - Breite

Zänker 1990:  Zänker 1990 Nr. 68, S. 83.

Masse - Tiefe

Quelle: lt. Zänker: Sonnenschein, VIII. 6 „Unseren tapferen Helden...“, S. 42.

Masse - Durchmesser: Halbrund: ca. 25 m

Literatur - Kunstwerk:  Dortmunder Zeitung, 16.2.1928; Dortmunder Zeitung, 8.5.1928; Dortmunder Zeitung, 2.6.1928; Dortmunder Zeitung, 5.6.1928; Dortmunder Zeitung, 9.2.1929; Dortmunder Zeitung,   13.2.1930; Dortmunder Zeitung, 12.3.1930; Dortmunder Zeitung. 23.7. 1930; Dortmunder Zeitung, 1.5.1935; Dortmunder Zeitung, 10.1.1936; Dortmunder Zeitung, 28.1.1936; Dortmunder Zeitung, 4.10.1937; Dortmunder Zeitung, 5.10.1937;   Westfälische Landeszeitung - Rote Erde, 16.10.1938; Westfälische Landeszeitung - Rote Erde, 10.7.1939; Westfälische Landeszeitung – Rote Erde, 4.10.1939; Westfälische Landeszeitung - Rote Erde,   11.3.1940; Tremonia, 11.3.1940; Hörder Volksblatt, 11.3.1940; Fritz H. Sonnenschein: Verzeichnis der Denkmäler, Brunnen, Ehrenmäler in der Stadt Dortmund, 1.8.1956, Ms. Im Hochbauamt der Stadt, Stadtarchiv   Dortmund, VIII, 6; Thomas Duhme, u.a.: "Unseren tapferen Helden ...": Kriegs- und Kriegerdenkmäler und politische Ehrenmale - Dortmunder Beispiele, Essen 1987, S. 42; Ruhr-Nachrichten, 11.6.1987; Westfälische   Rundschau, 12.6.1987; Ruhr-Nachrichten,15.6.1989; Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 16.6.1989; Westfälische Rundschau, 16.6.1989; Öffentliche Denkmäler und Kunstobjekte in Dortmund. Eine Bestandsaufnahme unter   Leitung von Jürgen Zänker, erarbeitet von Iris Boemke u. a., Dortmund 1990, Nr. 68, S. 83; Stadt Dortmund/Stadtplanungsamt: Denkmalverzeichnis der Stadt Dortmund, Stand 07/1990, Stadtarchiv Dortmund, S. 157; Ruhr-Nachrichten,   29.11.1990; Ruhr-Nachrichten, 17.3.1999; Ruhr-Nachrichten, 6.8.1999; Westfälische Rundschau, 9.8.1999; Tag des offenen Denkmals. Krieg und Frieden. 11. September 2005, Broschüre hg. von Stadt Dortmund, Denkmalbehörde   und Bauordnungsamt, Iserlohn 2005, S. 55, 60-63; Westfälische Rundschau, 15.10.2010; Markus Günnewig: Was vom Kriege übrig blieb. Kriegerdenkmäler in Dortmund, in: Historischer Verein für Dortmund   und die Grafschaft von der Mark e.V. und Stadtarchiv Dortmund (Hg.): Heimat Dortmund, Dortmund im Ersten Weltkrieg, 1/2014, S. 60-64;
[Abruf: 30.06.2014]

Standort:  Do-Großholthausen, Kruckeler Straße, 44227 Dortmund

Literatur - Künstler:  Dresslers Kunsthandbuch, hg. von Willy Oskar Dressler Bd. 2, Bildende Kunst: das Buch der lebenden deutschen Künstler, Altertumsforscher, Kunstgelehrten und Kunstschriftsteller,   Berlin 1930, S. 735; Ulrich Thieme, Felix Becker: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 28, Leipzig 1934, S. 303; Hans Vollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler   des XX. Jahrhunderts, Bd. 4, Leipzig 1958, S. 64; Autor unbekannt: Dialog, in: Sammler Journal. Kunst, Antiquitäten, Auktionen, B 1309, September 2013, S. 7f. http://issuu.com/gemi-verlag/docs/sammler-journal-0913 [Abruf: 23.06.2014];

GPS - Rechtswert: 391403,525217908

Bemerkungen:

GPS - Hochwert:  5701610,82353519

Erfasst von:  Simone Rikeit

Aufstellungsjahr:  1938/1939, (Einweihung: 10.3.1940)

Beschreibung: Zänker 1990: "In der Mitte einer um einige Stufen erhöhten und eingefriedeten Platzanlage steht auf einem gemauerten Sockelkubus die etwa lebensgroße   Bronzestatue eines uniformierten Soldaten mit Stahlhelm und vor sich aufgepflanztem Gewehr, breitbeinig streng frontal, wie eine Ehrenwache. Die Figur wird hinterfangen von einem apsidenförmigen Halbrund mit fünf   von Pfeilervorsprüngen gerahmten Reliefplatten mit allegorischen Darstellungen der Trauer und der Wehrbereitschaft und einer Inschrift, die der Toten des Ersten Weltkrieges gedenkt. Auf den Pfeilerflächen sind   unter Flammbecken die einzelnen Vororte genannt. Das Ehrenmal, vor allem die Gestalt des Soldaten, verströmt ein heroisches Pathos, das keineswegs nur den Gefallenen gilt, sondern zu künftigem Heldentum auffordert,   sogar Furcht einflößen kann. Die Inschrift wurde nach dem Zweiten Weltkrieg erneuert und um das Gedenken der Toten von 1939-1945 erweitert."

Auftraggeber: Stadt Dortmund und die Bezirksvertretungen der Vororte Hombruch, Kirchhörde, Auf dem Schnee, Löttringhausen, Groß-   und Kleinholthausen, Kruckel, Schanze

Kurztext: Das Kriegerdenkmal 1914/18 von Fritz Richter-Elsner wurde während des Zweiten Weltkrieges 1940 eingeweiht und ist Zeugnis nationalsozialistischer Propaganda. Seit 1990   verweist eine Inschrift auf seine in verschiedener Hinsicht mahnende Funktion.

Besitzer:  Stadt Dortmund

Internettext:  Die halbrunde ehrenhofartige Platzanlage des Kriegerdenkmals 1914/18 an der Kreuzung Kruckeler Straße/Löttringhauser Straße fällt sofort ins Auge.

Auf   einem mittig stehenden, hellen, rechteckigen Bruchsteinsockel „wacht“ die Bronzefigur eines Soldaten. Er trägt Helm und Uniformmantel, steht in breiter Beinstellung und hält ein aufrecht postiertes Gewehr vor sich. Seine Ausstattung und Gestalt symbolisiert zweifelsohne mehr erneute Kampfbereitschaft, als Trauer um die Dortmunder Gefallenen des vergangenen Krieges. Die Figur entspricht ganz einer nationalsozialistischen   Formensprache. Die halbrunde, stark gegliederte Wandgestaltung hinter dem Soldaten besteht aus sechs pfeilerartigen Wandelementen zwischen Sandsteinreliefs. Zeitgenössische Zeitungsberichte verweisen mit Titeln wie   „Trauernde Heimat“, „Deutschlands Auferstehung“ und „Des Vaters Erbe“ auf den nationalsozialistischen Zeitgeist dieses Denkmals. In die Pfeilerflächen sind heute mit roter Farbe Flammenschalen   eingezeichnet, unter denen die Namen von acht Dortmunder Vororten zu lesen sind: Hombruch, Kirchhörde, Auf dem Schnee, Löttringhausen, Groß- und Kleinholthausen, Kruckel und Schanze. Aus ihnen stammen die   430 bedachten Gefallenen. Ursprünglich waren die Namen jedes einzelnen Toten eingetragen. Doch die bronzenen Buchstaben fielen nach Kriegsende Dieben zum Opfer.

Nach der Grundsteinlegung im Oktober 1937 wurde   das Kriegerdenkmal laut verschiedener Zeitungsberichte 1938 und 1939 errichtet. Die bisherige Datierung 1935 bzw. um 1935 kann damit korrigiert werden. Am 10. März 1940, mitten im Zweiten Weltkrieg, wurde es feierlich   eingeweiht und entsprechend propagandistisch genutzt. Der Auftrag der Gemeinden Hombruch und Kirchhörde war bereits über zehn Jahre zuvor an den Bildhauer Fritz Richter-Elsner vergeben worden. Finanzielle Missstände   und der Kriegsausbruch 1939 verzögerten die Umsetzung und Einweihung.

Nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen 1945 wurde die Bronzefigur beschädigt und entfernt, 1959 wieder gefunden und an ihrem alten   Platz wieder aufgestellt. Das Kriegerdenkmal wurde mit einer Inschrift zum Gedenken an die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges erweitert. Seit 1990 verweist eine Inschriftenplatte am Eingang auf die veränderte Funktion   des Denkmals: „Das Ehrenmal für die Kriegsopfer, das von dem aufrechtstehenden Wachsoldaten beherrscht wird, verdrängt Tod und Trauer, verschweigt die Sinnlosigkeit des Krieges. Es ist eine historische Darstellung   und ein Zeugnis der Zeit. 1935 hat das nationalsozialistische Regime bereits den Zweiten Weltkrieg vorbereitet.“ Doch jüngere und jüngste Beschädigungen und Beschmierungen zeigen, dass dieses Denkmal   auch in seiner heutigen Gestalt ein diskussionswürdiges bleibt.      SR

Erwerbart:  Ankauf

Biografie:  Fritz Richter-Elsner wurde am 8.1.1884 im thüringischen Köppelsdorf (heute Sonneberg) geboren. Sein Studium absolvierte er an der Industrie- und Kunstgewerbeschule   Sonneberg und in München. Zwischen 1905 und 1916 war Richter-Elsner künstlerischer Leiter der bekannten Hofbildgießerei Oskar Gladenbeck in Friedrichshagen bei Berlin. Er schuf 1912 das Denkmal für Friedrich   Ludwig Jahn, das sich noch heute auf dem Sportplatz im brandenburgischen Perleberg befindet. Danach entwarf Richter-Elsner zahlreiche Kriegerdenkmäler für den Ersten Weltkrieg, unter anderen in Reetz, Schöneiche   (1927) und Grimmen (1928). Im benachbarten Holzwickede ist seine bildhauerische Arbeit mit dem sogenannten „130er Denkmal am Kellerkopf“ vertreten, das 1929 eingeweiht wurde und schon die entschiedene Kampfbereitschaft   des Nationalsozialismus spürbar werden lässt. Richter-Elsner schrieb das Drehbuch zum 1931 produzierten Dokumentarfilm „Heldentum-Volkstum-Heimatkunst“. Vermutlich ab 1943 wurde er zum Arbeitseinsatz   einberufen. Nach Kriegsende verliert sich seine Spur, Todesdatum und Sterbeort sind unbekannt.      SR

© Helmut Kaufung 2020
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