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Löttringhausen - Vorweg

Abb. 1: Ausschnitt aus dem Fahrradstadtplan 2016, Bearbeitung Helmut Kaufung
(© StadtDortmund, Vermessungs- und Katasteramt CC-BY 4.0)


Der Name Löttringhausen taucht in den Annalen zuerst 1250 als „Lufferdinchusen“ auf. Der Ort bestand über Jahrhunderte aus einer Gruppe von vier Höfen und einigen Kotten (1). In den Kotten wohnten Landarbeiter und Bergleute, die nebenher im Pachtverhältnis eine eigene kleine Landwirtschaft betrieben. Dieser alte Siedlungskern ist noch erhalten.

Wenn man von der Infotafel der Rampe hinunter zur Hellerstraße folgt, führt auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine Bahn-Unterführung links zum Möllershof, Hohle Eiche 81, und weiter geradeaus zum Hof Schmidt, Hohle Eiche 76. Folgt man der Hellerstraße nach rechts, trifft man auf den Hof Frieg, Hellerstraße 27. Geht man auf der Hellerstraße nach links an der Feuerwache, Hellerstraße 8, vorbei und biegt links in die Schneiderstraße ab, findet man im Hintergrund links den Hof Fischer-Neuhof, Schneiderstraße 128, dem vierten alten Bauernhof.  

Löttringhausen gehört mit Kruckel, Groß- und Kleinholthausen zum Kirchspiel Kirchhörde mit der stattlichen Patrokluskirche. Schon 1740 wurden der Bevölkerung die Wege für ihre Kinder nach Kirchhörde zu weit und sie bauten gemeinsam die zentral liegende Langelohschule. Sie steht heute noch an der Löttringhauser Straße als neueres Gebäude auf dem alten Grundstück (2). Später kam der ebenfalls zentral im Kirchspiel gelegene Waldfriedhof Großholthausen hinzu (s. Tafel Großholthausen).

Am Abzweig der Hellerstraße von der Schneiderstraße steht das denkmalgeschützte älteste Feuerwehrhaus der Stadt Dortmund. Von seinem Turm konnte man früher weit in das Ardey-Vorland blicken (3).

Vor allem zur Verbesserung der Vermarktung der hier abgebauten Kohlen und zur  Ablösung der bisherigen Transporte mit Pferdewagen legte die Rheinische Bahngesellschaft 1879/1880 die Bahnlinien Dortmund-Hagen und Löttringhausen-Langendreer („Rheinischer Esel“) an. Die Zeche Gottessegen und einige Industriebetriebe wurden ebenfalls angeschlossen. Im Kreuzungsbereich entstand der repräsentative Bahnhof Löttringhausen. Der Bahnbau veränderte den Ort total. Bahndämme und Geländeeinschnitte zerrissen jahrhundertalte Strukturen, auch einige Kotten verschwanden. Nur durch enge Unterführungen sind die Ortsteile miteinander verbunden. Nach Stilllegung der Linie nach Langendreer und des Anschlusses Gottessegen wurde der Bahnhof erheblich verkleinert (4).
Siehe dazu auch die Seiten "Rheinischer Esel" bzw. den gesonderten QR-Code auf jeder Informationstafel!

Nach der Fachwerkbauweise wurden die Wohnhäuser später mit Ruhrsandstein aus nahen Steinbrüchen errichtet. Am südlichen Ende der Schneiderstraße  und an der Straße  Düwelsiepen liegen unter Denkmalschutz stehende Gebäude (5). Aber auch andere bemerkenswerte Gebäude werden auf diesen Seiten vorgestellt.

Nach der Teilung der Marken, durch den Aufstieg des Bergbaus und anderer Gewerbe, mit dem Bahnanschuss und vor allem durch die Aufnahme von Ostvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden neue Ortsteile (6). Der größte Entwicklungsschub des Ortes fand in den 1960er Jahren statt. Das Bundesbaugesetz von 1961 schaffte die gesetzliche Grundlage zur qualifizierten Planung großer Siedlungen. Endlich konnte der gewaltige Wohnungsbedarf, der durch Kriegszerstörungen, Flüchtlingszuzug, sonstigen Zuzug und durch die allgemeine Steigerung der Ansprüche an Wohnqualität entstanden war, auch in Löttringhausen gedeckt werden. Die Dortmunder Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft kaufte große Geländeflächen auf und baute nördlich des alten Dorfkerns eine Großsiedlung mit einem Ladenzentrum. Das markanteste Gebäude wurde das 12stöckige Hochhaus Langeloh 4, das als Landmarke weit sichtbar ist. Der Start für diese große Baumaßnahme war eine Fachausstellung für Musterfertighäuser.

Recht spät erhielt Löttringhausen eigene religiöse Zentren mit der evangelischen Christuskirche (7) an der Kruckeler Straße und dem katholischen Zentrum St. Norbert an der Hugo-Sickmann-Straße.

Auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Gottessegen sind an der Kobbendelle die Werkstätten Gottessegen des Christopherus-Hauses (8) entstanden, eine gemeinnützige sozialtherapeutische Einrichtung, die Behinderten eine sinnvolle Beschäftigung bietet.

Seit dem 18.Jahrhundert entwickelte sich südlich der Emscher und im Ardey ein oberflächennaher Stollenbergbau auf Steinkohle. Mit Aufkommen der Dampfmaschine entstanden östlich von Löttringhausen die Tiefbauzechen Argus und Gottessegen, die zusammen mit der Zeche Wiendahlsbank Abbau im gesamten Kirchspiel betrieben (9).

In der Nachkriegszeit gab es wegen Kohlenmangels auch hier einige Kleinzechen. Heute ist der Bergbau Geschichte.
© Helmut Kaufung 2020
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