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Das geologische Geschehen in der Eiszeit

      
Zwei geologische Perioden sind für unsere Heimat hervorzuheben: die noch nicht so lange zurück liegenden Kaltzeiten (Eiszeiten) mit Beginn vor ca. 400 000 Jahren und das Karbon mit der Bildung der Steinkohle vor rd. 320 Millionen Jahren, als die Erde schon 93 % ihres Bestehens hinter sich hatte (Abb. 11).

Abb. 11: Geologische Zeittafel (www.wilke-j.de)
      
Im Eiszeitalter gingen die Vereisungen von Skandinavien oder von sehr hohen Lagen wie den Alpen aus. Kalt- und Warmzeiten wechselten dabei miteinander ab. Die bis zu einige Kilometer dicken Eiskappen Skandinaviens pressten Flächengletscher nach allen Seiten. Sie gelangten auch weit nach Mitteleuropa hinein. Die Geologen benennen die Eiszeiten nach Flüssen, Im Norden anders als im Alpenbereich, obwohl die Zeiten etwa gleich lang waren. Im Norden hießen sie (wikipedia: Geologische Zeitskala, Elster-Kaltzeit, Saale-Komplex und Weichseleiszeit):
  • Elster-Kaltzeit vor 400 000 bis 320 000 Jahren, Dauer ca. 80 000 Jahre
  • Holstein-Warmzeit, Dauer ca. 20 000 Jahre
  • Saale-Kaltzeit  vor 300 000 bis 130 000 Jahren, Dauer ca. 170 000 Jahre
  • Eem-Warmzeit, Dauer ca. 15 000 Jahre
  • Weichsel-Kaltzeit vor 115 000 bis 10 000 Jahren, Dauer ca. 105 000 Jahre
  • Die heutige Warmzeit dauert bereits rd. 10 000 bis 12 000 Jahre an. Weist die derzeitige Klimaerwärmung mit Ausdehnung der Trockengebiete darauf hin, dass die möglicherweise zu erwartende nächste Eiszeit noch lange ausbleibt?
    
Abb. 12: Die Ausbreitung der Gletscher in Norddeutschland: blaue Linie Elster-, gelbe Linie Saale- und rote Linie Weichsel-Kaltzeit.(wikipedia-Elster-Kaltzeit)
      
Nordrhein-Westfalen war nur im Norden von der Elster-Vereisung betroffen. Die heutige Ruhr verlief vor der Saale-Kaltzeit von Witten nach Norden über Crengeldanz nach Langendreer und Castrop und bog hier in den heutigen Verlauf der Emscher nach Westen zum Rhein um (www.bochum.de).
In der Saale-Kaltzeit wurde der Teutoburger Wald vom Eis überwunden, was der von dort bis nach Ahlen transportierte, aus Sandstein bestehende „Dicke Stein“ beweist. Er ist mit 63 t Gewicht der größte Findling Westfalens.

Abb. 13: Ausbreitung der Vereisung in der Elster-Eiszeit (Linie Hameln-Detmold-Lingen) und in der Saale-Eiszeit (Rote Linie Hameln-Detmold-Ruhr-Düsseldorf Xanten) in Nordrhein-Westfalen. Die +++++++ zeigen Funde von Findlingen am südlichen Eisrand an.
(Herbert Liedtke: Westfalen im Eiszeitalter)
Die von Norden sich langsam heranschiebenden Gletscher der Saale-Kaltzeit überdeckten den alten Ruhrverlauf und durchbrachen in Pässen bei Essen, Witten und Schwerte die Vorberge des Rheinischen Schiefergebirges und wurden erst durch höheres Bergland endgültig aufgehalten. Beim heutigen Essen-Steele staute sich das Eis um etwa 150 m auf, sodass nach Osten ein riesiger Stausee entstand, der weit in die Nebentäler des heutigen Sauerlandes hinein reichte (Abb. 14). Auch der Rhein wurde durch das Eis nach Westen in das heutige Tal der Niers am Niederrhein gedrückt.
Abb. 14: Eisstausee im Ruhrtal in der Saale-Kaltzeit mit Gletscherzungen über die Ruhr bei Witten und Schwerte
(Herbert Liedtke: Westfalen im Eiszeitalter, nach Thomé 1990)
Als sich das Eis langsam wieder nach Norden zurückzog, schnitt sich die Ruhr in die nördlichen Ausläufer des Rheinischen Schiefergebirges ein und schuf sich sein heutiges Bett nach Westen. Zwischenzeitlich nutzte sie ihr altes Bett bis Langendreer und wendete sich über das heutige Ölbachtal nach Süden (Abb. 15). Die im ehemaligen Flussbett der Ruhr gefundenen aus dem Rheinischen Schiefergebirge verfrachteten Kiesel weisen auf die vor- und nacheiszeitlichen Flussverläufe hin.

Abb. 15: Vorübergehender Ruhrverlauf in Witten und Bochum-Ost (Internet)
Nach Abtrocknen der vom Eis verlassenen Flächen wirbelten Westwinde feine Staubpartikel auf und verfrachten sie nach Osten, wo sie das Land zudeckten. Diese Lössablagerungen sind heute örtlich noch bis zu zehn Meter dick und wurden im Hellwegbereich zur Grundlage einer blühenden Landwirtschaft.

© Helmut Kaufung 2018
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