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Entstehung der Rheinischen Bahn mit der Nebenstrecke „Rheinischer Esel“


      
Mit dem Durchbruch des Dampfantriebs in Form der Dampflokomotive zur Nutzung für den Güter- und Personentransport wurden in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts Tragtiere, Fuhrwerke, Ruhrkähne und Postkutschen allmählich verdrängt. Nach mehrfachen Appellen vor allem durch Friedrich Harkort bildeten sich in Westdeutschland drei große Eisenbahngesellschaften: 1836 die Rheinische sowie 1843 die Bergisch-Märkische und die Köln-Mindener Eisenbahn. Die beiden letztgenannten Gesellschaften banden ihre Fernstrecken als Erste an das sich entwickelnde Ruhrgebiet an. Recht früh umging die Rheinische Bahn mit ihrer Strecke Köln-Antwerpen die hohen niederländischen Zölle. Vorrangig trieb sie auch Bahnlinien nach Süden und Norden vor. Erst danach durfte sie auch Strecken ins Ruhrgebiet und in das alte Industriegebiet an Wupper und Ennepe bauen. Rolf Swoboda hat in folgender Abbildung zeichnerisch dargestellt, welches Gebiet die Rheinische Bahn 1880 bedienen konnte.
     Abb. 1: Streckennetz der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft, Stand 1. April 1880, Zeichnung Rolf Swoboda         
(aus Rolf Swoboda, Michael Schenk: Die Rheinische Eisenbahn zwischen Hagen und Dortmund einschließlich der Zweigbahn nach Bochum-Langendreer, Berlin 2005)

      
Abb. 2: Die Strecken der Rheinischen Bahngesellschaft 1880 bei Dortmund in schwarzer, fetter Strichführung. Wichtige Straßen in Rot. (Ruhrmuseum)

      
Die Hauptstrecke der Rheinischen Bahn durch das Ruhrgebiet erreichte von Düsseldorf bzw. Osterath kommend erst 1874 den Bahnhof Dortmund-Süd. Der heutige Dortmunder Hauptbahnhof war bereits seit mehr als 25 Jahren von der Köln-Mindener und Bergisch-Märkischen Eisenbahn belegt.

Am 15.5.1879 wurde die Strecke von Dortmund-Süd über Hörde, Löttringhausen und Herdecke nach Hagen eingeweiht, die von der bereits vorher in Betrieb genommenen Strecke Düsseldorf-Wuppertal-Hagen ausging.

Etwa gleichzeitig baute die Rheinische Bahn die 13,3 km lange Querverbindung von Langendreer nach Löttringhausen. Vorangegangen waren am 20.6.1877 die Konzession der Preußischen Regierung und bis zum 16.12.1878 der Übergang der letzten enteigneten Grundstücke auf die Bahn. Mit den Bauarbeiten wurde die Firma Dinndorf & Franke beauftragt. Hierzu mussten im Bereich des Dortmunder Südens mit Hilfe von Sprengarbeiten Bergrücken an der Blickstraße und Johannisbergstraße durchstochen und die Einschnitte zum Teil durch Mauerungen gesichert werden. Das hier anfallende Haufwerk wurde zum Herstellen von Dämmen zur Überbrückung von Bachtälern - wie des Kruckeler Bachs und des Schultenbrinksiepen an der Straße Silberknapp - genutzt. Der Transport wurde mit Bauwagen im Schmalspurbetrieb vorgenommen. Durch die Geländeegalisierung wurde bis Löttringhausen ein gleichmäßig leicht ansteigender Streckenverlauf erreicht, wobei eine Maximalneigung von 1:100 nicht überschritten wurde. Die Rheinische Bahn hatte somit alle ihre Strecken auf Gütertransport zugeschnitten. Die Arbeiten wurden nur zum Gottesdienstbesuch an Sonntagen unterbrochen. Die kurze Bauzeit war unter der Berücksichtigung der einfachen Hilfsmittel eine Glanzleistung der Arbeiter und Ingenieure.

Nach Umrüstung auf Vollspur bis zum 18.11.1880 kam die Bahnlinie am 15. Dezember 1880 bereits unter der Regie der Preußischen Staatsbahn in Betrieb.



© Helmut Kaufung 2018
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