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Letzte Spuren des Bergbaus

     
  
Die Aufarbeitung von Kohlenhalden
Der frühere Bergbau und auch einige bereits stillgelegte Kleinzechen hatten an ihren Förderschächten kleine Abraumhalden hinterlassen, die noch Kohlenbrocken, Verwachsenes (Kohle und Gestein zusammenhängend), Feinkohlen und Kohlenschlamm enthielten. In der Zeit großer Kohlennot versuchte man daraus Nutzen zu ziehen.

Am 24.10.1951 meldete das Bergamt Dortmund 1 dem städtischen Planungsamt, dass im Grubenfelde Gottessegen an mehreren Stellen vom Unternehmer Ludwig Berthold aus  Wuppertal-Langerfeld alte Halden auf Kohlen durchsiebt und der Wald verwüstet werde, um Regelung werde gebeten. Berthold hatte insgesamt 50 000 m3 durchgesiebt und die „geretteten“ Kohlen mit der Eisenbahn verschickt.

Die Untere Naturschutzbehörde lud Berthold zum 16.11.1951 zur “Vernehmung“. Hier erklärte dieser, er habe mit den Waldbesitzern Verträge abgeschlossen und die Genehmigung vom Bergamt erhalten; das Landschaftsschutzgesetz von 1941 kenne er nicht. Er beantragte Ausnahmegenehmigungen.

Waldbesitzer an den Siebstellen waren örtliche Bauern bzw. deren Erben. Betroffen war der gesamte Wald von der Hagener Straße bis an die westliche Stadtgrenze. Das Bergamt Dortmund 1 widersprach am 21.12.1951 der Genehmigungsbemerkung des Berthold und fordert eine Genehmigung der VEW als Bergwerkeigentümerin von Gottessegen an. Oberstadtdirektor Wilhelm Hansmann äußerte sich am 26.2.1952 gegen jede Kohlenschürfung, da sie die Wälder ruinierten. Er hat das wohl ganz allgemein gemeint, auch gegen Kleinzechen gerichtet.

Die höhere Naturschutzbehörde in Essen stimmte am 6.4.1952 der Ausnahmegenehmigung für die Dauer von zwei Jahren mit der Auflage der Renaturierung zu. Die Renaturierung wurde von Berthold allerdings nicht vorgenommen. Ein Bauer wollte die Wiederaufforstung selbst durchführen. Andere wollten ihren Waldanteil der Stadt verkaufen, was diese ablehnte und die Aufgabe zurückschob. Allen Waldbesitzern wurde eine Frist bis zum 30.4.1953 gestellt. Die Zeche Gottessegen wollte ihren Schacht Christian mit Haldenbergen verfüllen, wenn er nicht mehr als Luftschacht genutzt würde.

Am 12.5.1953 fanden offizielle Besichtigungen der Halden statt. Berthold sollte trotzdem nicht aus der Pflicht entlassen werden. Das Oberbergamt betrieb Zwangsmaßnahmen gegen ihn. Diese zogen sich hin, auch eine Kaution hatte Berthold bis August 1954 nicht gestellt. Die Ämter nahmen bei erneuter Besichtigung am 27.8.1954 auch Direktor Heitmann der Zeche Gottessegen in die Pflicht. Bei Besichtigung am 10.1.1957 wurde festgestellt, dass alle Objekte bis auf eines im Süden von Kruckel erledigt waren. Diese letzte Halde war 1961 abgeräumt worden.
Abb. 58: Lage einiger Halden und Siebstellen
(Quelle unbekannt)
Flözaufschlüsse beim Bau der A 45
In den 1970er Jahren wurde die Lücke der A 45 zwischen der Anschlussstelle Dortmund-Süd und dem Kreuz Dortmund West geschlossen. Für diesen 10,5 km langen Bauabschnitt zeichnete das Straßenneubauamt Unna verantwortlich. Vier Großbrücken mit einer Gesamtlänge von rd. einem Kilometer waren zu bauen und tiefe Einschnitte herzustellen. Es mussten 1,6 Mio. Kubikmeter Boden bewegt werden, einer Menge, welche einen Güterzug gefüllt hätte, der von Dortmund bis München und zurück lang gewesen wäre.

Die größten Erdarbeiten waren im Bereich der Blickstraße erforderlich, die gesperrt wurde. Der Einschnitt führte zwischen den Grubenfeldern der Zechen Güldene Sonne und Glücksanfang hindurch. Die neue Blickstraßenbrücke führt heute rd. 30 m über die A 45 hinweg. Das 10,5 km lange Teilstück der A 45 war 1972 fertig und kostete 105 Mio. DM - rd. 10 Mio. DM je Kilometer. (Dr. Otto Kilger)

An den Hängen waren nicht abgebaute Flöze aufgeschlossen. Nach Feierabend der Bauarbeiter holten sich hier Dortmunder Einwohner Kohlen, um ihre Kohlenöfen zu versorgen (RN 5.2.1971).
  
      Abb. 59: Blick von Norden auf die Baustelle der A 45 im Bereich der Blickstraße. Links und rechts sind zwei Flöze aufgeschlossen, die zuerst steil , dann flacher werdend zur Bommerbänker Mulde einfallen. Ganz links Mausegatt-Sandstein, dann das Flöz Mausegatt, rechts offensichtlich das Flöz Kreftenscheer. Um 1965.
(Dietrich H. Schlender)
      Abb. 60: Flach gelagerte Esskohlenflöze auf dem Kirchhörder Sattel, um 1965.
(Dietrich H. Schlender).
      Abb. 61: Bau der Blickstraßenbrücke über der vorbereiteten Trasse der A 45, um 1970. Der südliche Hang ist durch Kohlen schwarz gefärbt.
(Dietrich H. Schlender)
Vermessungsübungen durch die FH Georg Agricola Bochum
Die Fachhochschule Agricola Bochum bildet heute vor allem Vermessungsfachleute für Vermessungsfirmen und den Öffentlichen Dienst aus. Übungen lassen sich am Besten in einer welligen, geneigten und nicht überbauten Landschaft ausführen. Diese liegt in den Wäldern des Ruhrgebiets vor, in denen auch mit Pingen und Halden die Auswirkungen des früheren Bergbaus noch anzutreffen sind. Der Arbeitskreis Dortmund des Fördervereins Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier machte eine Reihe von Vorschlägen von geeigneten Altbergbauflächen, die nacheinander aufgegriffen wurden.

Nach mehreren mit der Stadt und privaten Eigentümern abgestimmten, auch versicherten Vermessungsaktionen war 2009 die Großholthauser Mark dran. Im Folgenden eine unter der Leitung von Prof. Dr. Stelling von den Studenten erstellte Karte. Aus ihr geht hervor, dass Bergbauspuren in der Großholthauser Mark heute rar und auch durch die Flora verdeckt sind. Wenn man die Blickstraßenbrücke über die A 45 nach Süden überquert und rechts in einen Waldweg einbiegt, findet ein geübtes Auge eine ganze Pingenreihe und im Wald eine größere Schachthalde Eugenie der Zeche Güldene Sonne. Leider wurden diese Relikte nicht vermessen.
Abb. 62: Messgebiet der FH Georg Agricola, 2009.
(FH Georg Agricola Bochum)
© Helmut Kaufung 2020
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