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Kleinzechen in der Großholthauser Mark

     
  

Vorab eine Übersicht über die Vielzahl von ehemaligen Tagesöffnungen des betrachteten Gebietes mit den Kleinzechen in blauer Schrift:

     Abb. 55: Tagesöffnungspunkte des Bergbaus in der Großholthauser Mark (rote und schwarze Punkte s. Legende in Karte), 1960
(Vermessungsamt Dortmund/ehem. OBA Dortmund, nicht amtlich)

Als nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Alliierten die erst langsam wieder anlaufende Förderung der Ruhrzechen für sich beanspruchten, mussten die Kommunen und Industriebetriebe zusehen, wie sie an den begehrten Brennstoff Steinkohle kamen. Da im Süden des Ruhrreviers die Flöze an der Erdoberfläche ausstreichen und hier oft Sicherheitspfeiler belassen worden waren, gingen Berg- und Nichtbergleute daran, Kohlen „wild“ abzubauen. Bald gebildete kleine Gesellschaften schlossen Abbauverträge mit den zuständigen Großzechen ab, wie mit der Zeche Gottessegen. Die Kohlen, welche die nahen Städte und Betriebe nicht abnahmen, wurden von Lkws beispielsweise sogar aus Bayern abgeholt.

Vor allem wegen der Koreakrise kam 1952 aus über 300 Kleinzechen die höchste Jahresförderung von 1,9 Mio. t, was 1,6 % der Ruhrförderung oder der Förderung einer Großanlage entsprach (F. Hollmann: Glückauf 1966, S. 1330ff.). Die Kleinzechen waren von mindestens 1947 bis 1976 in Betrieb, als mit Egbert in Herbede der letzte Minipütt schloss. Die Zahl der Kleinzechen im Ruhrgebiet sollte sich auf fast tausend erhöhen (Joachim Huske).

Die Bergleute dieser Kleinzechen besaßen außer ihrer Muskelkraft Dieselmotoren zum Antrieb der Druckluftkompressoren für den Antrieb der Abbauhämmer und des Haspels zur Hebung der Fördergefäße in den meist im Flöz niedergebrachten tonnlägigen (schrägen) Schächten.

Tagesöffnungspunkte des Bergbaus in der Großholthauser Mark  (Nummern s. Abb. 55)
 859 Am Franzosensiepen
1948
Auffahrung eines Stollens durch K. Wilmes
1949
01.04 Förderbeginn
1950
499 t, 4 Mann
1951
31.12., bergamtliche Befahrung, Betriebseintellung
1952
20.06., Wiederinbetriebnahme durch Walter Platte für die Ziegelei Harkortshof
1954
max. Förderung 7 466 t, 23 Mann
1956
30.04. Stilllegung

934 und 939 Gute Hoffnung III kurz südlich des „Rheinischen Esels“, alles Schrägschächte im Flöz Finefrau Nebenbank, Betrieb von 1962 bis zum 30.4.1965 (Besitzer Erwin Schmidt)
934
37 m lang

939
20 m lang,
1 x 2 rechteckiger Förderschacht
940
75 m lang,
rechteckiger Luftschacht
   336 Finefrau Nebenbank/Glückliche Zukunft
      
Nach Kriegsende begann in Dortmunder Wäldern „wilder“ und primitiver Kohlenabbau, so auch durch Beschäftigte am Köpchenwerk zur eigenen Hausbrandversorgung 150 m westlich der Blickstraße im 80 bis 85 cm dicken Flöz Finefrau Nebenbank.

Zum Jahresbeginn 1947 fanden an derselben Stelle Schürfarbeiten durch die Stadt Herdecke statt. Am 22.5.1947 erfolgte die Übernahme und Umbenennung der geplanten Kleinzeche in „Glückliche Zukunft“. Es wurde ein Gestattungsvertrag mit dem Waldbesitzer abgeschlossen und der Bergbehörde ein Betriebsplan vorgelegt. Die Genehmigung der Besatzungsbehörde musste noch abgewartet werden. Die „wilden“ Bergleute wurden gegen vertragliche Lieferung von Hausbrandkohlen übernommen und zusätzlich Berginvaliden eingestellt, die Bergbauerfahrung mitbrachten. Noch im Juli schloss die Stadt Herdecke einen Pachtvertrag mit der Zeche Gottessegen ab gegen einen Zins von 30 Pfennig je geförderte Tonne Kohle. Der Waldbesitzer erhielt eine geldliche Abfindung und Hausbrandkohlen.

Erst im September genehmigte das Bergamt den Betriebsplan und die Besatzungsmacht die Verteilung der Kohlen an Herdecker Bürger. Wegen der Kohlennot waren aber bereits am 1.7.1947 die ersten Kohlen gefördert worden.

Wie folgende Zeichnung ausweist, ging der Abbau von einem Abhauen mit 20 Grad Einfallen (Neigung) und einer Länge von 34 m aus. Es sollte mit Türstöcken aus Holz mit den lichten Maßen von 1,5 m Breite und 1,8 m Höhe ausgebaut werden. Den gleichen Ausbau erhielten die Sohlen- und Kopfstrecken nach Osten und Westen, die bei 20 und 30 m Länge des Förderabhauens angesetzt wurden. Das rd. 0,8 m mächtige Flöz blieb bis zur Tagesoberfläche als Sicherheitspfeiler stehen; es war durch eingedrungenes Regenwasser aufgeweicht und wäre auch schwierig abzubauen gewesen. Der Betriebsplan sah eine Abbaulänge von 250 m vor, drei Strebhöhen sollten nach Verlängerung des Förderabhauens nacheinander nach Osten und Westen ausgekohlt werden. In einem mitgeführtem „Damm“ von vier Meter Breite wurden die Berge (Steine) untergebracht, welche beim „Horizontalmachen“ der Abbaustrecken für die Feldbahnschienen anfielen. Es war geplant, den ausgekohlten Raum mit Fremdbergen zu verfüllen. Es ist jedoch zu bezweifeln, ob das bei der geringen Flözdicke von 0,8 m tatsächlich erfolgte. Die Kohlen wurden in den Streben mit Abbauhämmern gelöst und in feste Rutschen geschaufelt. Die Kohlen rutschten dann in der Grundstrecke in „Loren“ mit dem Fassungsvermögen von 250 kg, die dann von Hand zum Förderabhauen geschoben wurden. Ein dieselangetriebener Haspel zog die „Loren“ zu Tage. Zwei Fuhrunternehmer brachten die Kohlen zum Wiegen zum Bahnhof Herdecke bzw. zur Verladung zum Bahnhof Löttringhausen. Nutznießer waren die Bürger von Herdecke. Ein Lkw wurde mit Holzgas, der andere mit Gas aus der Hagener Kläranlage angetrieben.

1949 wurde das Abhauen planmäßig nach unten verlängert und im November ein Durchschlag mit den Grubenbauen von Gottessegen erreicht. Möglicherweise wurde bis dahin mit natürlicher Wetter(Luft)führung gearbeitet, nun erfolgte die Abfuhr der verbrauchten Luft über den neuen Wetterschacht von Gottessegen 3 (Am Franzosensiepen). In diesem Jahr erbrachten 19 Mann die größte Jahresförderung von      3 289 t.

Nach der Währungsreform vom 20.6.1948 wuchsen die Probleme mit dem Kohlenverkauf. Außerdem wandte sich Gottessegen verstärkt dem Abbau nach Norden zu und wollte aus dem Westfeld aussteigen. Die Kleinzeche kohlte aber noch die dritte Abbaufläche zwischen den Abbaustrecken 5 und 6 aus und schloss den Betrieb am 21.2.1950. Das Förderabhauen wurde absprachegemäß am 11.8.1950 durch die Zeche Gottessegen verfüllt.

Wie schwierig das Inbetriebhalten der Kleinzeche war, kann man im Buch von Walter Klisch nachlesen: „Herdecke, eine Stadt auf der Suche nach Kohle“, Hagen 1989.

Abb. 56: Rekonstruktion des Abbauvorgangs der Kleinzeche Glückliche Zukunf
(Tilo Cramm nach Walter Klisch, Zeichnung Gerhard Brune für Echo 11/1990)

Nach 40 Jahren wurde im Juni 1990 das Förderabhauen wieder präsent, als ein Reiter in einen plötzlich entstandenen Tagesbruch am Mundloch sackte. Regenwasser hatte die Füllmassen in das frühere Abhauen geschwemmt und kurz unter der Erdoberfläche einen Hohlraum entstehen lassen. Das eingebrochene Pferd konnte von der Feuerwehr geborgen werden, erlag aber etwas später dem erlittenen Schock.
Abb. 57: Tagesbruch am Bremsberg-Mundloch.
(SüdwestZeitung)
Wie in der Großholthauser Mark wurden auch in der Umgebung von Kruckel und in Löttringhausen nach 1945 Kleinzechen errichtet.


© Helmut Kaufung 2020
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