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Die Glashütte Kruckel am Staatskamp



Nicht nur Eisenhütten zogen wegen der Kohle ins Ruhrrevier, sondern auch Glashütten. Die bisher eingesetzten Holzkohlen waren wegen intensiver Waldnutzung – Abholzung – teuer geworden. So kam aus dem Lippischen etwa 1856 die Glasmacherfamilie Becker nach Kruckel. Die aufstrebenden Tiefbauzechen Johannes Erbstollen und Wiendahlsbank waren direkte Nachbarn. Der Betrieb lief 1857 mit der Herstellung von Hohlgläsern an.

Die Schmelzöfen (Häfen) wurden mit Quarzsand, Kalkstein und verschiedenen Zusätzen gefüllt und durch Erhitzung mit Steinkohle auf rd. 1 400° verflüssigt und vermischt. Die Glasbläser holten einen Klumpen der dickflüssigen Glasmasse mit einem Eisenrohr, der Pfeife, aus dem Hafen und formten sie durch Blasen und ständiges Hin- und Herdrehen zu einer Hohlform. Die schwere Arbeit erforderte viel Erfahrung. Der Glashüttenbesitzer Becker gab in einem Schreiben an, dass mit Angehörigen hundert „Köpfe“ bei ihm beschäftigt seien. Die Kerntruppe der Glasbläser wird bei rd. 20 Glasbläsern gelegen haben – ein ansehnlicher Betrieb!

     Abb. 98: Die Glashütte Kruckel (Hoffmann) um 1900
(Hombrucher Geschichtsverein)


Die Dortmunder Geschwister Hoffmann gründeten diese Glashütte 1894 zur Erzeugung von Hohl- und Pressglas neu. In einer 24 m langen und 13 m breiten Halle standen drei Schmelzöfen und ein großer Ofen. Der Baukomplex wurde durch eine Schleiferei, eine Maschinenhalle, einen Lagerraum und ein Wohnhaus, in dem auch das Kontor untergebracht war, ergänzt.
Sie betrieben die Glashütte bis 1932. Sie wurde wohl als Folge der damaligen schweren Wirtschaftskrise acht Jahre nach der Stilllegung der Zeche Wiendahlsbank außer Betrieb genommen. Ein weiterer Grund mag die mechanisierte Konkurrenz gewesen sein.
  Abb. 99: Die Glashütte am „Rheinischen Esel“, im Mittelpunkt die Zeche Wiendahlsbank, 1910.
(Archiv Helmut Kaufung).
     Abb. 100: Belegschaft der Glashütte 1913           
(Friedhelm Specht †, er erforschte die Glashütte Kruckel und weitere vier Glashütten in Witten)

Abb. 102: Glashütte und die ehemaligen Werkswohnungen 2009 (metropoleruhr)
Abb. 101: Glashütte und Werkswohnungen 1926 (metropoleruhr)

      
Abb. 103: Briefkopf der Glashütte Hoffmann in Kruckel aus 1924
(Archiv Hans-Jürgen Lewer)
     Abb. 104: Eines der noch bestehenden Gebäude der ehemaligen Glashütte Hoffmann bzw. der Bäckereimaschinenfabrik Müller 2006
(Tilo Cramm)

      Abb. 105: Ein weiteres, noch bestehendes Gebäude.
(Helmut Kaufung)
© Helmut Kaufung 2020
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