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Die Zeche Wiendahlsbank

Nach Rump und Boos, die Kohlensuche im Tal der Brunebecke bei Rüdinghausen betrieben hatten, waren Wilhelm Dietrich Wiendahl und Johann Friedrich Lueg bei Kruckel die Nächsten. Sie muteten (beantragten) 1768 je zur Hälfte die Abbaurechte auf drei Flöze in der Großholthauser Mark, Wiendahlsbänke genannt. Wiendahl lebte von 1713 bis 1793, war Grundherr eines Hofes in Kleinholthausen und amtierte von 1748 bis 1783 als Camerarius (Kämmerer) in Herdecke.
     Abb. 16: Wiendahls 1769 geplanter Erbstollen, der 1800 erst wenige Meter lang war.
(Ehemaliges Landesoberbergamt NRW (LOBA) ergänzt von Tilo Cramm)

Die Gewerkschaft setzte 1769 bei Großholthausen am Grotenbach einen Stollen nach Süden an. Er sollte als Erbstollen die weiter südlich gelegenen, teilweise noch nicht in Abbau genommenen Grubenfelder der Zechen Lappenberg, Schwartze Pferd und Johannes Erbstollen anschließen. Da der Erbstollen nie weiter vorgetrieben wurde und es bereits den Johannes Erbstollen gab, verfiel das Erbstollenrecht. Der Abbau im Stollenbetrieb blieb völlig unbedeutend. Die Gewerkschaft Wiendahlsbank erwarb jedoch im Hinblick auf einen lukrativen Tiefbau die Geviertfelder Wiendahlsbank, Güldener Mond, Rosalie und Westermannsbank und vereinigte sie 1850 zur Zeche Vereinigte Wiendahlsbank.

1853 begann die Gesellschaft kurz südlich der Bergisch-Märkischen Eisenbahn mit dem Teufen eines senkrechten Schachtes, der 1872 nach der Kaiserproklamation von 1871 in Versailles Wilhelm genannt wurde. Er nahm 1858 die Förderung auf, nachdem 70 m weiter südlich ein Wetter(Luft)schacht niedergebracht worden war. Der 1872 begonnene Schacht Friedrich übernahm 1873 die Förderung mit einem Malakoffturm, der Schacht Wilhelm hob auch Grubenwasser.

     Abb. 17: Tagesanlagen von Wiendahlsbank an der Bergisch-Märkischen Eisenbahn mit Einzeichnung von Grubenbauen, 1891.
(Ehemaliges Landesoberbergamt NRW (LOBA) ergänzt von Tilo Cramm)

Abb. 19: Malakoffturm Schacht Friedrich um 1900.
(Westfälisches Wirtschaftsarchiv Dortmund (WWA))

Abb. 18: Schacht Wilhelm 1915.
(Konrad Hupfer)

     Abb. 20: Die Zeche Wiendahlsbank mit Malakoffturm Schacht Friedrich links, Schacht Wilhelm rechts und dem Wasserhochbehälter der Dortmunder Firma Klönne, um 1900.
(Hans-Jürgen Lewer)


1865 erreichte Wiendahlsbank mit 363 Bergleuten eine Jahresförderung von 59 000 t und hatte damit die Nachbarzeche Johannes Erbstollen überholt.
Obwohl Wiendahlsbank seit 1870/1872 mit Johannes Erbstollen zusammenging, blieb die Förderung bis zur Stilllegung von Johannes Erbstollen 1888 insgesamt vergleichsweise gering. Erst nachdem 1889 die Gewerkschaft Vereinigte Wiendahlsbank, deren Förderung gerade die 100 000-t-Schwelle überstiegen hatte, von der „reicheren“ Louise Tiefbau AG erworben worden war, wurden die Schächte tiefer geteuft und die Tagesanlagen modernisiert. So wurde 1895 eine Kohlenwäsche mit Sieberei und zur Veredlung der Esskohlen eine Brikettfabrik in Betrieb genommen. Der Gang der Brikettfabrik war allerdings oft unterbrochen. Die Fett- und die „fetteren“ Esskohlen wurden schon vor 1910 mit einer 1,6 km langen Seilbahn zur nördlich gelegenen Kokerei Kaiser Friedrich transportiert, um dort mit den Kaiser-Friedrich-Kohlen zu Kokskohlen gemischt zu werden. Eine Kokerei auf Wiendahlsbank wäre wegen der hauptsächlich geförderten Esskohlen und des zu geringen Förderumfanges an Fettkohlen nicht sinnvoll gewesen.
     Abb. 21: Profil durch die Schächte Wiendahlsbank um 1914. Schacht Friedrich wurde später tiefer geteuft. (Westfälische Berggewerkschaftskasse (WBK))

Aus obigem Profil geht hervor, dass Fettkohlen nur direkt unter der Erdoberfläche anstanden. Die Esskohlen darunter wurden weitgehend abgebaut und die tieferen Magerkohlen nur ansatzweise. Bemerkenswert ist, dass im zwei Meter mächtigen Fettkohlenflöz Röttgersbank viele kugelige, oft handgroße Pyrit/Markasit (Schwefelkies)-Einlagerungen gefunden wurden, die Bauernherzen genannt wurden.

Das Oberbergamt Dortmund ließ am 16.12.1893 die Belegschaften aller ihm zugeordneten Zechen zählen. Danach waren von 517 Belegschaftsmitgliedern der Zeche Wiendahlsbank 90 Hauseigentümer und 39 wohnten in „Colonien“. Die übrigen 388 waren Familienangehörige, Mieter oder Untermieter. Auch die Wohnorte wurden erfasst. 239 wohnten in Kirchhörde, 122 in Rüdinghausen, 70 in Ende, 23 in Eichlinghofen, 16 in Barop und die restlichen weiter entfernt. 452 Arbeiter waren evangelisch, 65 katholisch und nur vier fremdsprachig.

     Abb. 22: Wiendahlsbank von NW, links Schacht Wilhelm, in der Mitte Schacht Friedrich (Malakoffturm mit aufgesetztem Fördergerüst, rechts das Kraftwerk Kruckel, um 1910.
(Karl-Heinz Strothmann).


Wegen des hohen Wasserzuflusses von rd. 4 m3/min hatte die Zeche unter Tage nach 1895 acht elektrische Pumpen installiert, die Grubenwasser nach über Tage drückten. Die bisherigen von über Tage mit Dampf angetriebenen Gestängepumpen konnten abgeworfen werden. 1906 wurde der bisher mit Holz ausgebaute Schacht Friedrich ausgemauert. Etwa gleichzeitig bekam der Malakoffturm ein aufgesetztes Fördergerüst, damit die Förderkörbe eine höher gelegene Entladestelle erhielten. Der Schacht musste 1914 zur Kohlenförderung wieder mit herangezogen werden.

Etwa gleichzeitig mit der Stilllegung der Zeche Louise Tiefbau 1908 wurde die Zeche Wiendahlsbank von der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten-AG übernommen. Der neu geteufte und ausgemauerte Schacht Schulte von Louise Tiefbau in Barop wurde nun Wetterschacht für Wiendahlsbank. Louise Tiefbau wurde gesümpft, an das Grubengebäude Wiendahlsbank angeschlossen und ein Restabbau begonnen. Viele Bergleute von Louise konnten weiter beschäftigt werden. Für den Untertagetransport der Kohlen zu den Schächten Wiendahlsbank waren 20 Pferde im Einsatz. 1912 erfolgte auch ein Durchschlag mit der Zeche Kaiser Friedrich, die mit Glückauf Tiefbau zur Deutsch-Lux gehörten. Die Zeche Wiendahlsbank erreichte 1914 mit einer Belegschaft von 1 347 Mann ihre höchste Jahresförderung von 340 000 t.
     Abb. 23: Grubenfeld Wiendahlsbank in der Größe von rd. 6 km2 nach 1925.
(Ehemaliges Landesoberbergamt NRW (LOBA) ergänzt vom Autor)


Zum Ende des Ersten Weltkriegs wurde 1918 an der Kruckeler Straße sogar noch ein größeres Betriebsgebäude errichtet, das als einziges überlebt hat.

     Abb. 24: Rechts das 1918 errichtete Betriebsgebäude von Wiendahlsbank von Norden 1930. Dahinter das Kraftwerk Kruckel der VEW. (Historisches Konzernarchiv RWE, Essen)

     Abb. 25: Betriebsgebäude Wiendahlsbank 1990. (Tilo Cramm)

     Abb. 27: Betriebsgebäude von Wiendahlsbank mit einer 2002 aufgestellten Informationstafel (links), 2009. (Norbert Meier)

Abb. 26: Eingang zur Zeche Wiendahlsbank 1987.
(Gabriele Unverferth)

m Ersten Weltkrieg 1914-1918 war die Förderung von Kokskohlen kriegswichtig – die Brikettfabrik wurde von 1915 bis 1921 daher nicht betrieben. Alle maschinellen Anlagen waren - wie auf vielen anderen Ruhrzechen auch - am Kriegsende weitgehend verschlissen, Wartungsarbeiten mussten aus Arbeiter- und Materialmangel verschoben werden.

Von Explosionsunglücken war die Zeche wegen ihres hohen Esskohlenanteils der Förderung bis dahin verschont geblieben. Als Franzosen und Belgier Anfang 1923 das Ruhrgebiet besetzten, legte die über 2 000-köpfige Belegschaft die Arbeit nieder. Als nach Wiederaufnahme des Betriebs am 11.4. und 2.6.1924 je sechs Bergleute durch Sprengarbeiten mit nachfolgenden Kohlenstaubexplosionen starben, kam das Ende der Zeche bereits am 15. August 1924. Allerdings war die Zeche veraltet, die Fettkohle weitgehend abgebaut und für Ess- und Magerkohlen fehlte der Absatz. Die Dortmunder Südzechen teilten bis auf Gottessegen bald das Schicksal von Wiendahlsbank. Die Belegschaften fanden oft neue Arbeitsplätze auf den Dortmunder Nordzechen.

Die 790 m bzw. 675 m tiefen Schächte Wilhelm und Friedrich wurden 1925 verfüllt. Heute besteht hier ein Gewerbegebiet.

Die Zechenzeitung Vereinigte Stein & Hardenberg schrieb am 17.2.1933, die Betriebsgebäude seien durch 24 Mann des „Siedlungsverbandes Dortmund ehemaliger Kriegsgefangener“ und 40 Mann des „Freiwilligen Arbeitsdienstes“ abgebrochen worden. Die verwertbaren Materialien hätte man zum Eigenheimbau verwendet. Die Abbrucharbeiter wohnten im heute noch bestehenden „Maschinen-, Eingangs- und Magazingebäude“ (Abb. 22). Die Leitung lag in Händen der Bauabteilung der Gelsenkirchener Bergwerks-AG, Teil der Vereinigte Stahlwerke AG, in der 1926 die Deutsch-Lux aufgegangen war.

    
© Helmut Kaufung 2018
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