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Die Zeche Johannes Erbstollen



Auch hier bei Kruckel wurde im 18. Jahrhundert das Kohlegraben aktenkundig. Wie zum Beispiel an der Emscher setzte man in den Bachtälern meist quer zu den Gebirgsschichten Stollen an, um möglichst viele der begehrten Flöze nacheinander zu erreichen. Der erste genannte Bergbauunternehmer war der Hagener Gottfried Rump. Er ließ sich 1743 im Tal der „Brunnenbecke“ (heute Brunebecke = Brunnenbach) im heutigen Witten-Rüdinghausen (damals Amt Hörde) den Abbau auf drei Flöze genehmigen. Am Anfang des Schneer Weges nahe der Brücke über den Bach legte er einen Stollen nach Süden an. Er verkaufte jedoch seine Bergbauberechtigung bereits 1758 an eine Gewerkschaft unter dem Vorsitz des Westhofeners Johannes Boos. Dieser hatte von den Rumps fünf Jahre zuvor auch die Syburger Zeche Schleifmühle erworben.

Johannes Boos erhielt 1759 für den Johannes-Stollen die Erbstollengerechtigkeit. Mit ihm sollten im Ardey auch weiter südlich liegende, fremde Grubenfelder erschlossen werden, um sie gegen eine Gebühr vom Grubenwasser zu befreien und den Abbauen Wetter (Luft) zuzuführen. Die Zeche Johannes Erbstollen hatte sich in den 1780/1790er Jahren mehrere mit dem Stollen durchfahrene Flöze als Längenfelder (jeweils auf ein Flöz) verleihen lassen und sich 1810 mit benachbarten Gruben zur Zeche Johannes Erbstollen zusammengeschlossen. Die Förderung wurde etwa seit 1784 in Lichtlöchern (Schächten) mit Häspeln (Winden) gehoben. 1805 waren beispielsweise drei Kohlenhauer, zwei Schlepper und zwei Haspelknechte für die Lichtlöcher beschäftigt. Die tägliche Kohlenförderung betrug nur 2-3 t.

Die ersten fünf mit dem Stollen durchfahrenen Flöze Johannes Nr. I bis V waren nach Johannes Boos benannt:

Flöz
Abstand vom Mundloch (m)
Mächtigkeit = Dicke (m)
Johannes Nr. I
23
0,31
Johannes Nr. II
46
0,58
Johannes Nr. III
128
0,47
Johannes Nr. IV
141
1,10
Johannes Nr. V
160
0,94
     Abb. 6: Der gelb gekennzeichnete Johannes Erbstollen verläuft in der genordeten Karte von Nordwest nach Südost. Im Flöz Nr. 6 zweigt rechtwinklig eine Abbauförderstrecke nach Nordost ab. Das Flöz hat eine Gesamtmächtigkeit (-dicke) von 2,2 m, wovon aber wegen „melierter“ (bergereicher) Partien nur 1,26 m gewonnen wurden. Vier Lichtlöcher sorgten für die Belüftung der Zeche und das Herausfördern der Kohlen mit Handhäspeln (Winden). Im  schmalen Stollen floss das Grubenwasser in einer Seige (Graben) unter den Laufbohlen zum Bach hin ab.  
(Zeichnung Nickel, in: Horstmann, Anschnitt 1992, Heft 5-6, S. 168ff.)
     Abb. 7: Lageplan des Johannes Erbstollens in Brunebeck. Oben rechts am Bach der Günnemann-Kotten.
(ehem. LOBA NRW)
Abb. 8: Riss zum Johannes Erbstollen um 1865
(ehem. LOBA NRW)
      
Abb. 9: Die Grenzen eines verliehenen Feldes wurden durch Lochsteine (sie hatten anfangs Löcher zum Durchziehen der Messkette) vermarkt. Die Flöze Nr. 1 bis 5 wurden 1787 gemutet (beantragt), 1788 Flöz Nr. 5 vermarkt und 1790 die Längenfelder Flöz 4 und 5 verliehen.
(Huske und Rudi Vitt in „Unser Dorf Nr. 10“, GVR Rüdinghausen)     

Abb. 10: Zustand des  Lochsteins 2020
(Bestand Deutsches Bergbaumuseum Bochum)
     Abb. 11: Die Vermessung eines Grubenfeldes ging immer von einer Fundgrube aus. Hier musste der Schürfer dem Bergamt ein abbauwürdiges Flöz nachweisen. Der 1839 eingesetzte Lochstein (Grenzstein) gehört zum 1837 verliehenen Längenfeld Johannes Nr. VI (6).
(Rudi Vitt in „Unser Dorf Nr. 10“, GVR Rüdinghausen)
  
Bereits 1792 betrieb man – wie auf benachbarten Wittener Zechen – Meiler, um aus Esskohlen probeweise, aber erfolglos, Koks zu brennen. Bis 1837 waren die Kohlenvorräte der Flöze Nr. 1 bis 10 oberhalb des Stollenniveaus abgebaut, die Stollenzeche kam zum Erliegen, gelagerte Kohlen und Betriebsmaterialien wurden versteigert

1838 wurde der Johannes Erbstollen als Wiendahlsbänker Erbstollen von der Stollenzeche Wiendahlsbank weiter betrieben.

Erst 1849 fasste die Gewerkschaft Johannes Erbstollen wieder Mut, um wie andere Hombrucher Zechen mit Hilfe der Dampfkraft mit dem Tiefbau zu beginnen. Sie ließ sich ein Geviertfeld verleihen, womit der Abbau in mehreren Flözen möglich wurde. Auch der inzwischen 350 m lange Erbstollen wurde 1850 wieder nutzbar gemacht.

An der heutigen Darbovenstraße erwarb die Zeche vom Kruckeler Landwirt Bovermann zwei Morgen Buschgrund zur Anlegung einer Tiefbauanlage auf ihrem Grubenfeld. Nach Anstellung des Obersteigers Friedrich Wilhelm Wittich 1850 und Plänen des Berggeschworenen Huyssen vom Bergamt Witten von 1851 begann man 1852 im 1,6 m mächtigen Flöz Nr. VI mit dem Teufen. Der mit 45 Gon (= 40,5 Grad) nach Nordwesten geneigte Schrägschacht wurde schließlich 396 m lang und 1858 nach Huyssen benannt. Der tüchtige Obersteiger und spätere Betriebsführer Wilhelm Wittich (geb. 1819, gestorben 1867) leitete die Zeche bis 1862 und wurden von Direktor Türk abgelöst.
     Abb. 12: Zeche Johannes Erbstollen 1856. Rechts das Fördergebäude mit Bremsberg zur Verladung an der Bergisch-Märkischen Bahn,  Kesselhaus mit Verwaltung und Wohnhaus des Betriebsführers Wittich (von rechts)
(Briefkopf, Westfälisches Wirtschaftsarchiv Dortmund -WWA)
     Abb. 13: Lage der Tagesanlagen Johannes Erbstollen.
(Ehemaliges Landesoberbergamt NRW - LOBA) ergänzt von Tilo Cramm)

Der rechteckige Schachtquerschnitt besaß zwei 2,15 m breite Fördertrumme (Abteilungen) und ein in der Mitte liegendes 1,65 m breites Pumpentrum. Der Betrieb der Gestängepumpe und der wohl mit Stahlseilen gehobenen und abgesenkten Fördergefäße (Kästen oder Wagen) erfolgte durch Dampfmaschine(n). Der Dampf wurde in fünf liegenden Kesseln der Wittener Firma Moll erzeugt. Moll war Freund und Kunde von Friedrich Harkort.

Die 1852 errichteten Tagesgebäude umfassten ein Kesselhaus, eine „Maschinenstube“, das Schachthaus, eine Materialienkammer, Schmiede, Schreinerei und eine „Stube“ für Grubenbeamte. 1853 sollte das Haus für Wilhelm Wittich, ein Grubenbeamtenwohnhaus fertig sein.

Die Kohlen wurden mit einer fast einen Kilometer langen Schleppbahn zu einer Verladebühne an der 1848 fertig gestellten Bergisch-Märkischen Eisenbahn (heute S 5) hinabgelassen. Die Trasse verlief direkt vom Schacht aus nach Nordwesten, im oberen Teil verläuft hier die Hildegard-Gethmannstraße.

Der 1853/1854 begonnene Abbau erzielte 1868 mit einer Belegschaft von 243 Mann die höchste Jahresförderung ihrer Laufzeit von 48 000 t. Einige Kruckeler Bauern meldeten jedoch bereits 1860 Wasserentzug und Bergschäden, woran auch die Zeche Wiendahlsbank beteiligt war. 1875 wurde die Zeche Johannes Erbstollen von der benachbarten Zeche Wiendahlsbank erworben. Der Betrieb lief jedoch bis 1882 weiter. Danach wurde auch der Erbstollen  abgeworfen. Wiendahlsbank übernahm die Bergleute.

Von der Tiefbauzeche Johannes Erbstollen sind vor allem deswegen einige Gebäude erhalten geblieben, weil bereits 1889 der Landwirt Bovermann in die ehemaligen Zechengebäude gezogen war. Bis 1994 wurde hier vom letzten Pächter Schreiber Landwirtschaft betrieben.
(Quelle: Alfred Heitmann: Brief an das Stadtarchiv Dortmund vom 11.2.1965, Best.-Nr. 204/02-108, Abschrift durch Joachim Huske 1991)

      Abb. 14: Schachtgebäude Huyssen der Zeche Johannes Erbstollen von Norden.
(Tilo Cramm)
      Abb. 15: Schachtgebäude Huyssen um 1995
(Klaus Karl Tischmann)
     Abb. 16: Das zu Wohnungen umgebaute Schachtgebäude 2006.
(Tilo Cramm)

      Abb. 18: Verwaltung/Wohngebäude 2006.
(Tilo Cramm)
      Abb. 17: Frühere Verwaltung, dann Wohngebäude, um 1995
(Klaus Karl Tischmann)
      Abb. 19: Ehemalige Zechenschmiede  um 1995.
(Klaus Karl Tischmann)
      Abb. 20: Umgebaute ehemalige Zechenschmiede 2006.
(Tilo Cramm)
     Abb. 21: Das 1856 erbaute Wohnhaus des Betriebsführers Wilhelm Wittich um 1990. Hier wurde 1856 der spätere Wirt August Wittich geboren.
(Hans-Jürgen Lewer)

      Abb. 22: Postkarte vom Restaurant Johannisberg, Wirt August Wittich, 1899. Links im Hintergrund der aus dem Dorf in die ehemaligen Zechengebäude verlegte Bauernhof Bovermann. Links Ansichten des Belegschaftssaals und  Biergartens. (Klaus Karl Tischmann)
      Abb. 23: Erst Steigerwohnhaus mit Belegschaftssaal rechts, dann Restaurant Johannisberg  von August Wittich, 2019. (Tilo Cramm)
      Abb. 24: Aus diesem Steinbruch stammen wohl die Sandsteinquader zum Bau der nahegelegenen Gebäude
(Archiv Hans Tibbe)
      Abb. 25: Begutachtung des aufgedeckten, zu verfüllenden Wetterschachte Nr. 6 an der Brunebecker Straße, 1990. (Archiv Hans-Jürgen Lewer)
      Abb. 26: Erkundung des Hohlraums.
(Archiv Hans-Jürgen Lewer)
      Abb. 27: Verfüllung des Luftschachtes Nr. 6 an der Brunebecker Straße, 1990
(Archiv Hans-Jürgen Lewer)          
© Helmut Kaufung 2020
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