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Die Zeche Gottessegen

Die Zeche Gottessegen

Das Bergwerk Gottessegen überlebte alle Zechen im Dortmunder Süden und wurde als letztes erst 1963 geschlossen. Nach anfänglichem Abgraben der zu Tage tretenden Kohlenflöze ging der Bergbau auch bei Löttringhausen dann von den tiefer liegenden Bächen aus. Hier wurden Stollen direkt in zu Tage tretende Flöze oder quer durch Gesteinsschichten zu den Flözen hin vorgetrieben. Bis 1821 verlieh die Bergbehörde nur Längenfelder, die auf eine bestimmte Erstreckung jeweils nur auf einem Flügel des Flözes bis zum Muldentiefsten für den Abbau zu nutzen waren.

Danach wurden auch Geviertfelder mit mehreren Flözen vergeben, die bis zum Tiefsten ausgebeutet werden durften. Zu den frühen Verleihungen gehörten hier die Längenfelder Gottessegen und Carlsbank (beide 1743), Caspar Friedrich (1744) sowie Benjamin und Heinrichsfeld (1775 und 1784 erwähnt). Die Häufung der Längenfeld-Zechen auf engem Raum ist auf die Dichte der hier meist steil stehenden Flöze zurückzuführen. Gottfried Rump und Caspar Cronenberg hatten am 1743 Gottessegen gemutet (Antrag auf Kohlenabbau gestellt) und kurz danach verliehen bekommen. 1744 wurde Carl Johann Haarkott(e) Mitgewerke (Teilhaber), später kamen Johann Henrich Borggrefe und der Hagener Kaufmann Elbers hinzu.

Allen vom Oberlauf des Kirchhörder Bachs ausgehenden Stollenzechen war wenig Erfolg beschieden. Das änderte sich erst mit der Entdeckung des Kohleneisensteins (black band) 1849 „auch bei Hörde“, der in den 1854 westlich von Hörde angeblasenen Hochöfen der Hermannshütte eingesetzt werden sollte. Wegen des begehrten Kohleneisensteins, der vor allem im Eisensteinflöz Kirchhörde (heute Wasserbank 1) zusammen mit der Kohle vorkommt, mutete der Hörder Bergwerks- und Hüttenverein  (Hermannshütte) 1850 ein Geviertfeld, das ihr 1851 unter dem Namen Argus verliehen wurde (Volksmund: Isenstein). Eine Probeschmelzung von 175 t auf der Sayner Hütte bei Koblenz hatte günstige Eisengehalte ergeben. Im Folgejahr mutete die Hütte im Schwerter Wald auch die Eisenstein-Geviertfelder Josephine und Schottland.
     Abb. 50:  Eisenstein-Grube Argus um 1866 vor dem Bahnanschluss. Die abgebildeten Förderwagen kommen aus einem Zugang zum Förderschacht Reinbach. Der weiße Rauch stammt wohl vom Abrösten des Kohleneisensteins.
(Hoesch-Archiv)
      
Nachdem man anfangs den Eisenstein noch im Tagebau gewonnen hatte, begann Argus 1855 im untersten, geologisch ältesten und hier 75 cm dicken Flöz Carlsbank (heute Neuflöz) mit dem Niederbringen des Schachtes Reinbach, benannt nach einem Beamten des Bergamtes. In einem steinernen Schachtgebäude standen eine Dampfmaschine und ein Fördergerüst aus Holz. Da das Flöz mit 84 Gon nach Norden einfällt, wurden die Fördergefäße „tonnlägig“ auf Leitbalken geführt.
     Abb. 51: Profil durch den Südflügel der Gottessegener Mulde mit dem Schacht Reinbach im Flöz Carlsbank (heute Neuflöz) und dem Joests Erbstollen.
(„Flötzkarte“ ehemaliges Landesoberbergamt NRW (LOBA), ergänzt von Tilo Cramm)
      
Etwa gleichzeitig mit dem Geviertfeld Argus hatte die Hütte 1850 westlich der Hagener Straße am Kirchhörder Bach am Mundloch des Stollens der Zeche Alte Geschwister von 1777 einen neuen Stollen  gemutet, um ihn zum Schacht Reinbach vorzutreiben. Der neue Stollen erhielt 1851 das Erbrecht, da er mehrere Zechen von Wasser befreien und ihnen Wetter (Luft) zuführen sollte und wurde Joest´s Erbstollen genannt. Joest aus Köln (?) war etwa seit 1846 an der Hermannshütte beteiligt (siehe Abb. 156 + 158).

Nach dem Durchschlag des Stollens mit dem Schacht Reinbach 1857 teufte man diesen abschnittsweise tiefer, bis er bis 1886 eine flache (schräge) Länge von 390 m erreicht hatte. Die durch den Erbstollen aufgeschlossenen Zechen Carlsbank, Caspar Friedrich und Gottessegen durften den Schacht gegen eine Gebühr mitbenutzen.1860 gehörte er zu den ersten Schächten im Ruhrgebiet mit Seilfahrtsgenehmigung; die Bergleute mussten nun nicht mehr die „Fahrten putzen“ (Leitern klettern).

Die Hermannshütte hatte 1858 ihre Berechtsame (Bergbaufeld) mit der Verleihung des Geviertfeldes Argus Beilehn und 1861 durch die Konsolidation mit den Zechen Kirchhörde (von 1851) und Union VI (Konsolidation mehrerer kleiner Zechen) vergrößert. Das vereinigte Feld erhielt wiederum den Namen Argus.

Mehrere Gründe, wie der hohe Phosphor- und der doch vergleichsweise geringe Eisengehalt des Kohleneisensteins von etwa 28 %, die verbesserten Bezugsmöglichkeiten auswärtiger, besserer Erze über das erweiterte Eisenbahnnetz und die allmähliche Ablösung der Puddelöfen durch das Bessemer- und Thomasverfahren ließen die Attraktivität des heimischen Erzes schrumpfen. So verkaufte die Hütte ihre Zeche Argus der Gewerkschaft Gottessegen, die sich auf breitere Füße gestellt hatte; denn 1879 war die seit 1877 vorbereitete Konsolidation (Vereinigung) der Felder Gottessegen, Argus, Caspar Friedrich, Carlsbank, Heinrichsfeld und Benjamin zur altrechtlichen Gewerkschaft Gottessegen vollzogen worden. Vorsitzender des Unternehmens wurde Ingenieur Adolf von Rappard, sein Vertreter war Direktor Eduard Kleine.
     Abb. 52: Lageplan von Argus um 1879.
(Ehemaliges Landesoberbergamt NRW (LOBA) ergänzt von Tilo Cramm)
      
Der Förderschacht Reinbach hatte Ende 1878 einen Anschluss an die Rheinische Bahn erhalten, so dass der Absatz über den Löttringhauser Bahnhof abgewickelt werden konnte und die Fuhrwerke entfielen. Am 15.2.1882 brannte der Schacht jedoch aus, so dass die Förderung etwa ein Jahr ruhte. Der Repräsentant ließ 1883 an einem Zufluss zum Kirchhörder Bach kurz oberhalb von Argus zwei je 20 000 m3 fassende Sammelteiche anlegen. Sie sollten den sechs 3-atü-Dampfkesseln Speisewasser liefern, die die Fördermaschine und Pumpen mit Dampf versorgten. Das eisenhaltige Grubenwasser taugte hierfür nicht.

Am großen Bergarbeiterstreik von 1889 nahm die Belegschaft mit 180 Mann nahezu vollzählig teil.
     Abb. 53: Lageplan der Zeche Argus/Gottessegen.
(„Flötzkarte“ 1888, ehemaliges Landesoberbergamt NRW (LOBA))
Der nur noch sporadisch betriebene Eisenerzabbau wurde 1891 vorerst beendet – bis dahin waren 60 804 t gefördert worden. Die wirtschaftliche Lage der Gewerkschaft Gottessegen war inzwischen so schwierig, dass eine Vereinigung mit der benachbarten Zeche Crone gesucht wurde, was jedoch fehlschlug. Nun strebte man eine weitere örtliche Konzentration an und bildete am 17.7.1891 eine vergrößerte Gewerkschaft Gottessegen. Hierzu wurden die Geviertfelder Gottessegen, Argus (= Gottessegen I), Argus Beilehn und Trau auf Gott (Verleihung 1861) zum Gesamtfeld Gottessegen vereinigt.

Erfolgreiche Verhandlungen des Bergbauvereins in Essen mit den Bergbaugesellschaften des Ruhrgebiets, die sämtlich miteinander konkurrierten, brachte eine wirtschaftliche Entspannung. Unter maßgeblicher Initiative von Emil Kirdorf (GBAG) und Eduard Kleine war am 16.2.1893 das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat gegründet worden. Jede Zeche erhielt für ihre Förderhöhe eine Beteiligungsziffer. Einheitliche Verkaufspreise beendeten den bisherigen ruinösen Wettbewerb. Eine mögliche Stilllegung von Gottessegen war damit abgewendet geworden. So konnte die Gewerkschaft 1896 an die Gewerken erstmals Ausbeute (Gewinn) verteilen.

1891 hatte man westlich der Hagener Straße mit dem Abteufen des senkrechten, rechteckigen und mit Holz ausgebauten Schachtes Gottessegen 2 begonnen, der schließlich 308 m tief wurde. Er nahm 1893 die Förderung auf. Neben Schacht 2 wurde ein kleiner Luftschacht niedergebracht. Schacht Gottessegen 1 (Reinbach) blieb Pumpschacht.
     Abb. 54: Das 1893 im Bau befindliche Fördergerüst des Schachtes Gottessegen 2.
(Norbert Meier)
So war kurz westlich der Hagener Straße eine neue Schachtanlage entstanden. Von der Dortmunder Firma Schüchtermann, Cremer & Baum wurden 1892 für die Magerkohlen eine nasse Kohlenaufbereitung (Wäsche) mit der Leistung von 60 t/h und eine Brikettfabrik mit zwei Pressen für die Schlammkohle errichtet. Beide Anlagen gingen 1893 mit Förderbeginn des Schachtes 2 in Betrieb.
     Abb. 55: Die Zeche Gottessegen mit dem alten Schacht 2, vorn an der Hagener Straße das Fachwerkhaus des Eigentümers Netz, um 1910.
(Historisches Konzernarchiv RWE, Essen)
      
Das Oberbergamt Dortmund ließ zum 16.12.1893 die Belegschaft aller Zechen ihres Aufsichtsbereichs nach organisatorischen und sozialen Kriterien erfassen.

Von den 439 Belegschaftsmitgliedern der Zeche Gottessegen waren 17 „Beamte“ und 422 Arbeiter. Von diesen arbeiteten 300 untertage (181 Hauer und 119 Schichtlöhner) und 122 über Tage (24 als Maschinen- und Heizerpersonal, 18 als Handwerker, 22 in der Brikettfabrik und 58 an übrigen Arbeitsplätzen). Ihr Durchschnittsalter lag bei nur etwa  30 Jahren:

14-20 Jahre = 157 Mann,
21-30 Jahre = 112 Mann,
31-40 Jahre = 85 Mann,
41-50 Jahre = 60 Mann,
51-62 Jahre = 25 Mann.     
                                                                                                                                    
84 Belegschaftsmitglieder waren Hauseigentümer, die übrigen waren ihre Söhne und Zugereiste. Letzere wohnten bei ihnen als Kostgänger oder anderenorts als Mieter. Eine Kolonie oder Ledigenheim gab es nicht. Die Belegschaftsangehörigen besaßen 154 Ziegen, 117 Schweine und 78 Rinder, einige betrieben zur Lohnaufbesserung als Kötter eine kleine Landwirtschaft. Die Wohnortverteilung zeigt die oft bis zu fünfzehn Kilometer weiten Fußwege zur Zeche und zurück: 156 wohnten in Kirchhörde, 102 in Ende, 76 in Lücklemberg, 41 in Wellinghofen, 37 in Syburg, sieben in Holzen, fünf in Wichlinghofen, vier in Herdecke, vier in Westhofen und sieben verstreut. 399 waren evangelisch, 37 katholisch und drei anderer Konfession. 103 hatten bei Militär gedient und nur einer war Analphabet. Kein Arbeiter war fremdsprachig – Gottessegen war ein richtiger „Familienpütt“.

Am 1894 wurde Schacht Reinbach mit den Tagesanlagen durch einen erneuten Brand völlig zerstört und wurde daraufhin verfüllt. Durch Ausfall des bisherigen Pumpschachts war man gezwungen, das Südfeld abzumauern. Ersatz für den aufgegebenen Kohlenvorrat wurde in benachbarten Grubenfeldern gefunden: im Norden 1896/1899 mit den kleinen Zechen Venus, Frischauf sowie Rosina I und II und 1903 im Westen mit den stillgelegten Längenfeldern von Wiendahlsnebenbank, Glücksanfang I-III und Güldene Sonne.

Die Erschließung der neuen Felder begann 1900 durch Teufen eines Gesenkes („Blinden Schachtes“) neben Schacht 2 von der 3. zur 4. Sohle, um im Norden Unterwerksbau (Abbau unter der tiefsten, mit einem Schacht verbundenen, hier der 3. Sohle) zu beginnen. Obwohl 1902 wegen Absatzmangels an 35 Tagen nicht gearbeitet werden konnte, begann man 1904 von der 2. und 3. Sohle aus auch mit der Erschließung der neu erworbenen Flöze im Westen. 1908 wurde von der 4. Sohle aus über ein weiteres Gesenk die 5. Sohle aufgeschlossen. Alle Kohlen und Berge mussten in den Blindschächten zur 3. Sohle gehoben werden, von wo sie zum Schacht 2 gelangten.
     Abb. 57: Tagesanlagen der Zeche Gottessegen mit altem Schacht 2 um 1914.
(Norbert Meier)
     Abb. 56: Gottessegen mit altem Schacht 2 von Westen beim dritten großen Bergarbeiterstreik im März 1912 mit Polizisten und Zechenbeamten.
(Westfälisches Wirtschaftsarchiv WWA F 18 Nr. 149)
     Abb. 58: Lageplan der Zeche Gottessegen 1916
(oben Joests Erbstollen, rechts Hagener Straße, ganz rechts die Halde von Argus).
(Westfälisches Wirtschaftsarchiv WWA N4 Nr.D3)
     Abb. 59: Zeche Gottessegen mit altem Schacht 2 um 1920 oder 1925.
(Norbert Meier)
      
1913 wurde mit einer Belegschaft von 779 Mann eine Fördermenge von 203 568 t zu Tage gebracht. Im folgenden Ersten Weltkrieg – in dem 52 Belegschaftsmitglieder fielen - ging die Förderung stark zurück – die Zeche war inzwischen veraltet und reparaturbedürftig geworden. Nach dem Ersten Weltkrieg waren die wirtschaftlichen Aussichten schlecht. Die Eigentümer verkauften die Gewerkschaft Gottessegen daher an die Westfälische Bergbau- und Kohlenverwertungsgesellschaft AG in Hörde, welche am 1921 gegründet worden war und in Wellinghofen die Zeche Admiral betrieb. Diese Gesellschaft ging ein Jahr später an die Elisabeth-Hütte in Brandenburg/Havel über. Nachdem beide Zechen während der Ruhrbesetzung 1923 den Betrieb nahezu eingestellt hatten, wurde Admiral an die Rheinischen Stahlwerke verkauft, die die Zeche am 16.7.1925 stilllegten. Die Beteiligungsziffer am Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat von 500 000 t ging an Zechen der Rheinischen Stahlwerke über.

Auch Gottessegen hätte dasselbe Schicksal ereilen können. Nun trat jedoch die Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen AG (VEW) auf den Plan. Sie benötigte Kesselkohlen für ihre Kraftwerke Kruckel und Dortmund und erwarb die Zeche im Dezember 1925, wodurch ihre Beteiligungsziffer von 240 000 t erhalten blieb.

Gottessegen erlebte nun einen wirksamen Investitionsschub: 1927 Sümpfung (Auspumpen) des Südfeldes, Erneuerung der Kohlenwäsche und des Zechenkraftwerks, Modernisierung des Untertagebetriebs und 1929 Teufbeginn eines rund ausgemauerten Schachtes nahe der Hagener Straße. Er nahm 1930 als Schacht Gottessegen 2 die Förderung auf. Der bisherige Schacht Gottessegen 2 wurde in Gottessegen 1 umbenannt. Die Gewerkschaft Gottessegen wurde Aktiengesellschaft.

Bereits 1932 erreichte man mit 968 Mann die höchste Jahresförderung von 326 441 t der gesamten Zechenbetriebszeit.
     Abb. 60: Liegende Zwillingsdampf-Fördermaschine mit Koepescheibe des neuen Schachtes Gottessegen 2 um 1930.
(Historisches Konzernarchiv RWE, Essen)
In einer „Denkschrift über die Entwicklung der Gewerkschaft Gottessegen in Dortmund-Löttringhausen 1878-1940“ wird der Zustand des Tagesbetriebs wie folgt beschrieben: Der Förderschacht Gottessegen 2 besaß eine Koepeförderung (Seil wird durch Reibung auf der Treibscheibe mitgenommen) mit einer Verbunddampfmaschine von 1 500 PS (Hochdruck- und Niederdruckzylinder) der Prinz-Rudolf-Hütte, Dülmen. Auf beide Förderkörbe passten auf vier Etagen je acht 900-l-Förderwagen.

Schacht 1 war mit einer Trommelförderung (Seil wird aufgewickelt) und einer Verbunddampf-Fördermaschine von 600 PS der Mülheimer Friedrich-Wilhelms-Hütte von 1893 ausgerüstet. Er wurde Luftausziehschacht mit einem 3 000 m3/min- Elektrolüfter und übernahm Aufgaben der Seilfahrt, des Materialtransports und der Wasserhaltung. Der Zufluss von Oberflächenwasser betrug 4-5,5 m3/min, die von vier 6-m3/min-Elektropumpen der 3. Sohle zu Tage gehoben wurden. Elektro-Zubringerpumpen drückten das Wasser aus dem Unter-werksbau zur 3. Sohle hoch.
     Abb. 61: Zeche Gottessegen von Süden um 1930. Von links: Aufbereitung und Verladung, Schacht 1, Schacht 2, Kesselhaus, Fördermaschinenhaus 2.
(Historisches Konzernarchiv RWE, Essen)
     Abb. 62: Berglehrlinge entfernten am Leseband Holz und Steine aus der Rohkohle.
(StadtADO)
Die Kapazität der Aufbereitung wurde 1928 von der Dortmunder Firma Schüchtermann-Cremer & Baum von 60 auf 120 t/h erhöht. Die Brikettfabrik stellte 3-kg-Briketts und ab 1928/1933 mit neuen Pressen auch Eierbriketts her. Sie wurde 1938 stillgelegt, weil die gesamte verfügbare Förderung in Kraftwerke der VEW gehen sollte. Eine Eierbrikettpresse wurde an das Sinterwerk der Reichswerke Salzgitter veräußert.  

Den Dampf für zwei Fördermaschinen, zwei Turbogeneratoren (je 1 MW) und drei kleinere Kompressoren wurde 1940 von fünf Kesseln aus minderwertigen Kohlen erzeugt. Die Belegschaft betrug 1 137 Personen (879 Arbeiter und 25 Angestellte unter Tage sowie 200 Arbeiter und 33 Angestellte über Tage).
     Abb. 63: Grubenfeld der Zeche Gottessegen 1937.
(Westfälische Gewerkschaftskasse und ehemaliges Landesoberbergamt NRW (LOBA))
      
on Gottessegen war 1937 das Feld Josua (am Olpkebach) erworben worden. Von den Rheinischen Stahlwerken kamen 1938 das östlich angrenzende Geviertfeld Trennstück Admiral und 1939 die bisher nicht abgebauten Längenfelder Hermann und Zufall hinzu.

Die Autarkiebestrebungen des „Dritten Reiches“ erzwangen 1934 die Wiederaufnahme des Kohleneisensteinabbaus. Er wurde dann 1936 wegen hoher Lagerbestände von 18 000 t gestundet (unterbrochen). Der Erzabbau musste jedoch noch bis 1941 weiterbetrieben werden. Dann was Schluss; die Hütten bevorzugten höherprozentige, phosphorärmere Erze.
Von 1934-1941 waren 531 641 t gefördert worden, wovon 6/7 an Phönix und 1/7 an Hoesch gingen.

Die gesamte Fördermenge seit 1878 betrug 592 445 t
     Abb. 64: Gottessegen, 1930er Jahre  mit den Schächten 1 (hinten) und 2 (vorn).
(Historisches Konzernarchiv RWE, Essen)
Der Joest`sche Erbstolln stand 1901 unter Wasser, war 1911 durch das Mundloch nicht mehr zu befahren (zu begehen), wohl durch ein Lichtloch (kleiner Schacht) mit eisernem Schornstein (Abzugsrohr eines Wetterofens?). Im Zweiten Weltkrieg diente das Lichtloch als Zugang zu einem Luftschutzraum in einem Teil des offen gebliebenen Stollens, der nach 1948 verfüllt wurde.

Wie im Ersten Weltkrieg waren auch während des Zweiten Weltkrieges der Zeche als Ersatz für zum Kriegsdienst eingezogene Belegschaftsmitglieder Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter zugewiesen worden. Mit ihnen sollte die kriegswichtige Kohlenförderung aufrechterhalten werden. Nachdem die Alliierten im März 1945 den Rhein überschritten hatten, erteilte Hitler den Befehl der „verbrannten Erde“. Gauleiter Hoffmann gab dem Dortmunder Polizeipräsidenten den Auftrag, alle Ausländer – in Dortmund gab es rd. 30 000 – unschädlich zu machen, indem sie in die Schächte Adolf von Hansemann und Gottessegen zu verbringen und durch Abstellen der Pumpen zu ersäufen seien. Dr. Haack (GBAG) für Adolf von Hansemann, die Betriebsführung von Gottessegen und Polizeiführer verhinderten das Verbrechen mit falschen Angaben zu den Schächten.

Im Zweiten Weltkrieg fielen 26 Bergleute von Gottessegen. Da die Zeche unzerstört war, konnte die Förderung nach Rückkehr der eigenen Belegschaft und mit Neubergleuten bald wieder aufgenommen werden.
     Abb. 65: Zeche Gottessegen um 1950. Von links: Fördermaschinenhaus Schacht 2, Schacht 2, Wäsche, Schacht 1, Verwaltungsgebäude, dahinter das Zechenkraftwerk.
(Historisches Konzernarchiv RWE, Essen)
     Abb. 66: Zeche Gottessegen 1/2 um 1955.
(Norbert Meier)
Zum verstärkten Abbau des Westfeldes im Bereich der Blickstraße wurde 1948/1949 ein neuer grenzläufiger (an der Baufeldgrenze liegender) Luftschacht mit einer Teufe von 184 m hergestellt. Einem Aufbruch von unter Tage wurde von über Tage entgegen geteuft. Der Schacht kam 1950 in Betrieb. 1954 wurde der alte Schacht Christian von Glücksanfang an der Blickstraße für die Bewetterung zusätzlich genutzt. Wegen starker Bergschäden und der Hinwendung des Abbaus in Richtung Hombruch wurde das westliche Baufeld jedoch noch vor der Stilllegung der Zeche wieder verlassen.
     Abb. 67: Der Luft- und Seilfahrtsschacht Am Franzosensiepen (Gottessegen 3) 1950.
(Marianne Berensmann/StadtADO)
     Abb. 68: Ein zweiter, 273 m tiefer Außenschacht entstand 1957 in Löttringhausen am Kirchhörder Berg östlich der Bahn, Foto von 1960. Er erhielt nach einer alten Flurbezeichnung den Namen „Auf dem Blick“. (StadtA DO)
      
Die geologischen Bedingungen waren für Gottessegen verglichen mit den Dortmunder Nordzechen schwierig. Die Schichten verlaufen im Allgemeinen im Ruhrrevier von WSW-nach ONO und weisen im Süden des Feldes Gottessegen die Gottessegener Mulde mit einem stark geneigten Südflügel und einen mäßig geneigten Nordflügel auf. Die Mulde wird in Streichrichtung der Schichten vom Wechsel von Gottessegen zerschnitten. Nach Norden folgt der Kirchhörder Sattel, der flach zur Mulde von Wiendahlsbank einfällt.

Während im Süden die Magerkohlenschichten anstehen (braun), sind im Norden Esskohlen- (blau) und die untersten Fettkohlenschichten (rot) aufgeschlossen.
     Abb. 69: Nord-Süd-Profil G-H der Geologischen Karte Witten durch den Schachtbereich  Gottessegen. Braun = Sprockhöveler Schichten (Magerkohlen), blau = Wittener Schichten (Esskohlen), rot = Bochumer Schichten (Fettkohlen)
(Geologischer Dienst NRW)
In der Fläche erstreckte sich das Abbaufeld Gottessegen zwischen dem Großholthauser Sprung (Quartus) im Westen, der von NNW nach SSO verläuft, und dem von ihm im Norden abzweigenden NW-SO streichenden Kleinholthauser Sprung. So wurde der Abbau zwischen der westlichen Markscheide am Kruckeler Bach und östlich vom Olpkebach begrenzt. Diese mehrere hundert Meter aufweisenden Hauptverwerfungen wurden von vielen kleineren begleitet, die den Abbau sehr erschwerten.

Nach oben erwähnter Denkschrift gab es 1940 in den Abbaustrecken der Eisensteinflöze noch Pferdeförderung. In den Hauptstrecken überwogen Druckluft-Schlepperhäspel und Akkulokomotiven, auf der 3. Sohle fuhren Fahrdrahtlokomotiven. Beim Streckenausbau ging man vor dem Zweiten Weltkrieg vom Holzausbau auf Moll-Polygon-Eisenausbau und dann auf starren Bogenausbau mit Stahlprofilen über.
     Abb. 70: Eine Hauptstrecke der 3. Sohle auf Gottessegen mit Fahrdrahtlokomotivbetrieb
(rechts oben der aufgehängte Fahrdraht).
(StadtADO)
     Abb. 71: Ausbau in einer Abbaustrecke der steilen Lagerung mit starr-gelenkig miteinander verbundenen Abschnitten abgefahrener Eisenbahnschienen (Sensenausbau).
(StadtADO)
Die Denkschrift beschreibt auch den Untertagebetrieb bis 1940: Die Abbautechnik richtete sich nach dem Einfallen der Flöze. Anfangs wurde in steilen Flözen Stoßbau und schwebender Pfeilerbau an kurzen Gewinnungsstellen, später Schrägbau und in mäßig geneigten und flach gelagerten Flözen Strebbau an längeren Abbaufronten betrieben. Die ausgekohlten Steilbetriebe mussten mit Wasch-, Halden- oder Vortriebsbergen verfüllt werden. Zur Zerkleinerung des Ausbruchsmaterials der Streckenvortriebe wurde auf der 3. Sohle am Schacht 2 eine Bergebrechanlage errichtet. Druckluftbetriebene Abbauhämmer und Bohrhämmer - erleichterten die Gewinnungs- und Vortriebsarbeit. In den Flachbetrieben kamen Schüttel- und in den Steilbetrieben Winkelrutschen sowie Stauscheibenförderer zum Einsatz. Der Ausbau in den Gewinnungsbetrieben bestand zuerst allein aus Holz.
      


Abb. 73: Stauscheibenförderer im mäßig geneigten Steilstreb der Zeche Gottessegen 1957.
(Norbert Meier)
      


Abb. 72: Gewinnung mit einem Abbauhammer in einem mit Holz gesichertem Streb
(StadtADO)
     Abb. 74: Streb der flachen Lagerung nach 1945.
(StadtADO)
Der Ausbau besteht aus nachgiebigen Reibungsstempeln und Gelenkkappen aus Stahl. Nach Auskohlen eines Feldes mit Abbauhämmern, Beladen des Stegkettenförderers (Panzers) mit der gelösten Kohle und deren Abtransport, Rücken des Panzers wird der Ausbau ein Feld vorgesetzt. Bis auf das Rücken des Panzerförderers an den neuen Kohlenstoß war Handarbeit gefordert. Hinter dem Ausbau brachen die hangenden Schichten nach. Der frei gekohlte Raum wurde anders als in der steilen Lagerung nicht mit Bergen verfüllt, man ließ ihn zusammenbrechen (Bruchbau). (StadtADO)
     Abb. 75: Das Füllort eines Stapels (Blindschacht). Stapel verbanden mindestens zwei Sohlen miteinander.
(StadtADO)
     Abb. 76: Elektrisch angetriebene Fördermaschine mit Koepescheibe in einer Blindschachtkammer auf Gottessegen. Die Seile liefen in Bohrlöchern zur Seilscheibenkammer über dem Blindschacht.
(Norbert Meier)
     Abb. 77: Steigergruppe von Gottessegen 1956.
(Norbert Meier)
      
Der Kohlenhunger im Zweiten Weltkrieg war unermesslich. Daher erwarben die VEW 1942 von den Rheinischen Stahlwerken das östlich angrenzende, stillgelegte Grubenfeld Admiral. Das mögliche Abbaugebiet reichte nun bis Aplerbeck und Schwerte, weil sich die Zeche Admiral in den 1920er Jahren weit nach Osten ausgedehnt hatte. Gottessegen führte vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg nur einen geringen Abbau in den 1938 bzw. 1942 erworbenen Feldern Trennstück Admiral und Admiral in den Flözen Hauptflöz und Neuflöz durch.

1955 erwarb Gottessegen die ganz im Westen liegende, 1777 kurz erwähnte Zeche Auguste, die 1922 zwei Schrägschächte in Richtung Osten teufte. 1924 gehörte die Zeche zum Elektrizitätswerk Mark, begann mit einem dritten Schrägschacht die Förderung und erzielte 1940 mit 59 Mann eine maximale Förderung von 17 000 t. 1943 erfolgte die endgültige Stilllegung.
     Abb. 78: Grubenfeld von Gottessegen ab 1942.
(Westfälische Berggewerkschaftskasse und ehemaliges Landesoberbergamt NRW (LOBA))
     Abb. 79: Zeche Auguste vor oder im Zweiten Weltkrieg nahe der Stadtgrenze Dortmund/Witten
(Hans-Jürgen Lewer)
      
Gottessegen förderte 1962 mit noch 806 Belegschaftsmitgliedern immerhin 234 415 t. Der Vergleich mit Großzechen mit teilweise einer mehr als zehnfachen Jahresförderung deutet auf die Unwirtschaftlichkeit von Gottessegen hin. Die VEW konnte sich Kohlenlieferungen für ihre Großkraftwerke von Großzechen vertraglich günstiger sichern. So kam am 18.4.1963 für Gottessegen und für die Bergleute das Aus.

      
Als Erinnerung an die Zeche Gottessegen blieben die Speisewasser-Sammelteiche mit einer Informationstafel an der Spissenagelstraße, die Straßennamen Am Isenstein und  Argusweg in der Nähe von Argus, ein Beamtenhaus an der Hagener Straße, einige weitere Wohnhäuser und eine Austrittsstelle eisenhaltigen Grubenwassers südlich des Freibades Froschloch und der Großholthauser Straße.

Nach Verfüllung aller Schächte und Abriss der Tagesanlagen im Bereich der Hagener Straße blieb das Gelände lange ungenutzt. Dann lagerte die Bundespost hier Kabeltrommeln und 2016 wurden bisher ungenutzte Zelte für Flüchtlinge aufgebaut.

Im westlichen Teil des Zechenplatzes blieben einige Gebäude erhalten, die 1969 mit Erbpachtvertrag durch das Christopherus-Haus erworben wurden, um hier die Behindertenwerkstätten Gottessegen einzurichten.
Abb. 80: Sprengung des Kesselhauskamins von Gottessegen 1965. Auch die übrigen Tagesanlagen wurden abgerissen.
(Gerd Heymann: Auf Kohle gebaut, S. 105 VEW)
© Helmut Kaufung 2018
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