Von der Bahntrasse zum Naturerlebnis
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Der Eisenbahnknoten in Löttringhausen

Wer heute auf dem oft einsam liegenden Bahnsteig des DB-Haltepunktes Löttringhausen steht, wundert sich vielleicht über diese übertrieben erscheinende Überschrift "Eisenbahnknoten Löttringhausen".

Wer genauer hinsieht, und dazu lassen die nur stündlich auf der eingleisigen Strecke vorbeifahrenden Triebwagen reichlich Zeit, wird unter den von Wildkräutern überwucherten Freiflächen rechts und links des Bahngleises reichlich Spuren entdecken. Über die Freifläche nordwestlich des Bahnsteigs lief einst der Zug aus Langendreer kommend ein, über den, wie wir ihn heute nennen, Rheinischen Esel. Südöstlich zweigte das Gleis in die Zeche Gottessegen ab.  Wo heute nur noch ein Gleis zu sehen ist, verliefen einstmals vier Gleise nebeneinander durch den Bahnhof. Dass auf dem zugewachsenen Hang an der östlichen Seite des Haltepunktes mal das große zweieinhalbstöckige Bahnhofsgebäude stand, mag man heute kaum noch glauben.
In Löttringhausen baute die Rheinische Bahngesellschaft 1880 einen Knotenpunktbahnhof. An die Strecke von Dortmund-Süd nach Hagen wurde die Strecke von Bochum-Langendreer angebunden. Außerdem wurde von hier ein Anschlussgleis in die Zeche Gottessegen geführt. Der Bahnhof wurde repräsentativ ausgebaut. Er besaß neben zwei Stellwerken einen Wasserkran für die Dampfloks, eine Drehscheibe, eine Gleiswaage, eine Laderampe und einen Schuppen für Stückgüter und natürlich ein attraktives Empfangsgebäude mit Fahrkartenverkauf und einer Bahnhofsgaststätte. Löttringhausen nahm auch aufgrund des durch den Bahnbetrieb angeregten Ausflugsverkehrs einen erheblichen Aufschwung.
Abb.  22: Bahnhof Löttringhausen etwa 1905 vor Bau des Mittelbahnsteigs
(Sammlung Klaus Winter/Stadtarchiv Dortmund)
Abb. 21: Zeichnung des alten Bahnhofs Löttringhausen von Osten, 1880
(Sammlung DGEG, Echo 27, 1999)

Der markante  Bahnhof wurde nach Kriegszerstörungen nur notdürftig wieder aufgebaut, aber immerhin noch mit Fahrkartenausgabe und Gaststätte. Nach Stilllegung der Strecke von Löttringhausen nach Bochum-Langendreer wurde das Bahnhofsgebäude 1972 abgerissen und durch ein schlichtes Bahnsteigdach ersetzt.

Heute ist der ehemalige Bahnhof nur noch ein Haltepunkt an einer eingleisigen Strecke mit einem überdachten Bahnsteig. Fußwege führen von der Hellerstraße wie von der Hohlen Eiche auf den Bahnsteig.
Abb. 23: Der eingleisige Haltepunkt Löttringhausen, links die frühere stillgelegte Trasse, 2017 (Gerhard Brune)
Abb. 24: Der heutige Haltepunkt Löttringhausen, 2017 (Gerhard Brune)
Stündlich fährt ein Zug in Richtung Dortmund Hbf über Dortmund-Tierpark bzw. in Richtung Hagen über Herdecke.
      
Zwei Stationen weiter in Richtung Dortmund, am Haltepunkt Dortmund-Tierpark, ist mit dem Rombergpark Deutschlands größtes Arboretum, ein 1822 gegründeter Landschaftspark im englischen Stil zu besuchen. Nach einem kurzen Weg durch den Rombergpark erreicht man den Dortmunder Zoo, den Tierpark, wie er früher hieß.

Wer in Richtung Herdecke fährt, hat ein für Dortmund einmaliges Erlebnis. Kurz nach Verlassen des Haltepunktes Löttringhausen, springen im Zug die Lichter an. Draußen ist es mit einem Mal stockdunkel. Die Fahrt geht durch Dortmunds einzigen Tunnel, den Ender Tunnel, benannt nach dem Herdecker Ortsteil Ende, der oberhalb des Tunnels liegt. Mit dem Tunnel wird eine der höchsten Erhebungen des Ardeys, oder wie er auch genannt wird, des Ardeygebirges durchquert. Nach Durchfahren des Tunnels kommt man in Herdecke-Wittbräucke wieder an das Tageslicht. Bis in Herdeckes schöne Innenstadt und zur Ruhr ist es jetzt nur noch eine Station weiter. Hier bietet sich eine Weiterfahrt mit dem Fahrrad auf dem Ruhrtal-Radweg nach Witten und zurück auf den Rheinischen Esel an!
       
Früher wurde die Fahrt durch den Tunnel durch den ins Wageninnere dringenden Rauch der Dampflokomotiven begleitet. Und wer im Sommer allzu neugierig den Kopf aus dem Fenster steckte, musste sich anschließend kleine Kohlenstückchen aus den Augenwinkeln wischen.

Ein Eisenbahnknoten ist der Haltepunkt längst nicht mehr. Ein Knoten, an dem viele Fäden zusammenlaufen, ist hier aber weiterhin zu finden, sei es, dass die Fäden über den Rheinischen Esel führen oder mit der ehemaligen Rheinischen Bahn in nah beieinander liegende, lohnende Ausflugsziele, sei es, dass man zu Fuß Löttringhausen und das Tal des Grotenbachs oder des Kirchhörder Bachs erkundet.
© Helmut Kaufung 2018
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