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Die Bauernhöfe in Löttringhausen


Die Löttringhauser Bauernhöfe
Abb. 2 a: Neben den vier Bauernhöfen gab es 1827 die Kotten Nagel, Eckardt, Herbert, Schlender, Lindenbrink und Wortmann.
(Hücker)
Abb. 2 b: Die vier Höfe 2016: Die beiden Bahnstrecken haben den Kern der Bauerschaft zertrennt, zwei Kotten musten dem Bahnbau weichen
(Stadt DO, Katasteramt)

1.  Der Möllershof, Hohle Eiche 81
Zu den vier alten Bauernhöfen in Löttringhausen zählt der Möllers Hof. Wie die anderen wurde er anscheinend bereits während der ersten Siedlungsperiode zwischen 500 und 900 unserer Zeitrechnung angelegt. In einer Urkunde des Grafen Adolf von Kleve-Mark von 1416 übereignete dieser der Burgkapelle zu Hörde neben dem Overbeck-Hof in Persebeck und einem Bauerngut in Stockum auch einen Hof in Löttringhausen, den Möllers Hof. Der Hofname des Pächters Möller erscheint erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Johann Dietrich von Steinen nennt um 1642 in seiner Westphälischen Geschichte unter den jährlichen Einkünften der Schlosskapelle zu Hörde auch die von Möllers Hof zu „Lorrinckhusen“. 1713 wird der reformierte Pastor zu Hörde als Hofesherr von Möllers Hof erwähnt. 1813 erwarb der Pächter Johann Heinrich Möller von der Hörder reformierten Kirchengemeinde das Eigentumsrecht.
Abb. 3: Das Haupthaus des Möllerhofs 2017 (Gerhard Brune)
Der Möllers Hof ist ein stattliches Bauernhaus mit Anbauten und Nebengebäuden. Der Hauptbau ist ein zweigeschossiger Putzbau mit regelmäßig verteilten kleinen Fenstern, Haupt- und und Zwischengesims. Das Obergeschoss ist wesentlich niedriger als das Erdgeschoss. Im Dach sind wenige Dachflächenfenster. Die Anbauten und Nebengebäude sind aus unverputztem Sandstein, teilweise aus Quadern errichtet. Der Nordgiebel hat ein Scheunentor, das Giebeldreieck ist verbrettert, der Südgiebel ist gemauert mit Fenstern. Der Standort ist einer der vier historischen Hofanlagen des Ortes, der bereits 1250 urkundlich erwähnt wurde und der nachweislich jahrhundertelang auf diese vier Höfe und einige Kotten beschränkt blieb.

Heute ist der  Hof Eigentum der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Sie nutzt das Hauptgebäude im wesentlichen als Einrichtung der Tagespflege. Andere Gebäudeteile werden von Parteien, Vereinen und anderen Gruppen zu den unterschiedlichsten Veranstaltungen genutzt. Dabei wird vielfach auch das ausgedehnte Freigelände mit verwendet.

Die Anlage hat sich zu einem beliebten sozialen und kulturellem Standort für Löttringhausen entwickelt.
Abb. 4: Ein früheres Nebengebäude des Möllerhofes 2017 (Gerhard Brune)
Abb. 5:  Haupthaus des Möllerhofs von der Vorderseite, 2017 (Gerhard Brune)

2.  Der Hof Schmidt, Hohle Eiche 76
Dieser Hof wird schon in der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes neben den anderen Höfen aufgeführt. Tydemann Becker, Pfarrer der Martinskapelle in Dortmund, die dem Grafen von Dortmund gehörte, verpachtete 1455 den Hennekenhof in „Lotferinchusen“ für sechs Jahre an Dietrich Koster. Sowohl die Steuereinschätzung von 1486 wie die Güteraufnahme von  1705 und das Flurbuch von 1827 zeigen, dass es in Löttringhausen vom ausgehenden Mittelalter an immer nur vier Höfe und natürlich einige Kotten gegeben hat.

Mit der Entmachtung des Dortmunder Grafen durch den Rat der Stadt gelangte der Hof an den Adel, darunter von Voss auf Haus Rodenberg in Aplerbeck und von Bodelschwingh auf Haus Ickern. Letzter verkaufte 1811 den Hof an den damaligen Pächter Krumme, genannt Schmidt. Der Hofname Schmidt war erst seit dem 16. Jahrhundert gebräuchlich geworden.
Abb. 6: Der Schmidt-Hof von Süden 2017. (Gerhard Brune)
Das zweigeschossige, massive Haupthaus mit steilem Dach, Giebel im Westen und Walm im Osten, stammt vermutlich aus dem Jahre 1849.  Es ist aus Ziegeln gemauert mit einem neugotischen Treppengiebel. In der Gebäudemitte ragt der Brandgiebel in gleicher Treppenform aus dem Dach. Am Wohngiebel ist 1911 im Erdgeschoss ein Erker mit Balkon angebaut worden. Die Fenster und das Scheunentor mit Rundbogen im Ostgiebel sind mit Gewänden (Umrahmung) aus Sandstein eingefasst. Die Gebäudeecken werden durch Sandsteinquader betont. Die Fenster wurden teilweise erneuert. Das Gebäude wird heute teils als Wohnhaus, teils zum Einstellen von Pferden genutzt.

Die Gesamtanlage mit Haupthaus, Wirtschaftsteil, Freiflächen, Baumbestand und Einfriedungen des gesamten Geländes sind typisch für das landwirtschaftlich geprägte historische Ortsbild. Aus diesen Gründen ist die Anlage unter Denkmalschutz gestellt worden.

Zum Anwesen gehört auch ein ehemaliges Mühlengebäude. Das Mühlrad wurde vom Wasser eines Mühlengrabens angetrieben, der abzweigend vom Kirchhörder Bach, am Fuße des steil ansteigenden Hanges im Osten entlang geführt wurde.
Abb. 7: Der Schmidt-Hof von Osten, links der Wirtschaftsteil, 2017. (Gerhard Brune)
Abb. 8: Die Reste der Wassermühle am Kirchhörder Bach, 2014. (Gerhard Brune)
Abb. 9: Der Schmidt-Hof von Norden, der Schauseite, 2017. (Gerhard Brune)

3.  Der Hof Frieg an der Hellerstraße 27
Der sehr alte Hof hatte 1486 und später einen Ffriedach, Frytagh, Frydach und Freytag als Pächter des Grafen von der Mark. Aus diesem Namen ist dann wohl vor 1700 „Frieg“? geworden. Es gab aber auch Einheiraten, wobei immer der Hofname Frieg übernommen wurde. Der wohlhabende Bauer konnte im Nachbarort Kruckel zwei Höfe hinzuerwerben: 1873 den Söllerbeck-Hof durch Einheirat und 1891 den Deilmann-Hof durch Kauf. Mehrfach stellte ein Frieg auch den Amtmann.

Auch der Hof Frieg gehört zu den vier Höfen, die schon 1250 im Zusammenhang mit dem Ort urkundlich erwähnt wurden. Von den im Urkataster 1827 auf der Hofstelle eingezeichneten Gebäuden ist keines mehr vorhanden. 1903 ließ der Landwirt Heinrich Frieg das heute noch vorhandene Wohnhaus nach den Plänen des Bauamtes des westfälischen Bauernverbandes errichten.

Im Jahr darauf zerstörte ein Brand  alle alten Ökonomiegebäude. Noch im gleichen Jahr ließ Heinrich Frieg diese erheblich vergrößert wieder aufbauen. Statt der bisherigen lockeren Anordnung der Gebäude entstand nun mit Haupt- und Nebengebäuden ein auf drei Seiten geschlossenes Hofkarree. Bis auf geringfügige Ergänzungen und Wiederherstellung von Kriegsschäden ist dieser Bauzustand bis heute erhalten geblieben.
Abb. 10: Der Hof Frieg von Norden, der Schauseite, 2017. (Gerhard Brune)
Das 903 errichtete Hauptgebäude besteht aus Werksteinquadern und ist reich gegliedert. Die straßenseitige, reich gestaltete Hauptfassade weist einen westfälischen Stufengiebel auf. Die Nebengebäude sind ebenfalls aus Werksteinquadern, aber in schlichterer Art gebaut. Jahrelang stellte hier die ehemalige Aktienbrauerei ihre „Belgier“, die Bierwagen-Zugpferde unter. In der Erinnerung daran braut der Landwirt Frieg heute für privaten Verbrauch selbst.

Der Hof wird noch landwirtschaftlich genutzt, es werden auch Reitpferde untergestellt. Die Anlage steht unter Denkmalschutz. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestand auf dem Hof eine Kleinzeche.
Abb. 11: Der Hof Frieg von Osten, 2017. (Gerhard Brune)
Abb. 12: Der Wirtschaftsteil von Osten, 2017. (Gerhard Brune)

4.  Der Hof Fischer-Neuhoff, Schneidersraße 128
Der Hof Fischer-Neuhoff, früher Hof Neuhoff, wird erstmals 1486 im Schatzbuch der Grafschaft Mark mit „Arnt Nyehoff to Lotterinckhusen“ erwähnt, ist aber älter. Nach 1486 hieß er Nyhoff, Newhoff, Neuhoff und heute Fischer-Neuhoff.

Das ehemalige  Haupthaus, ein stattliches, um 1840 entstandenes westfälisches Fachwerkhaus ist 1911 abgebrannt. Erhalten blieb ein ebenfalls 1840 entstandenes Backhaus und Reste alter Stallungen. Heinrich Neuhoff ließ 1912 durch den Architekten Adolf Berning ein großzügiges Herrenhaus bauen. Das geputzte  Gebäude hat eine stattliche zweigeschossige Fassade mit neoklassizistischen Stilelementen, Die Gebäudeecken sind turmartig rund ausgebildet. Ein Portikus wird über eine geschwungenen Freitreppe erreicht. Den oberen Abschluss bildet ein Walmdach. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz

Mehrere Nebengebäude von unterschiedlicher Qualität werden heute noch landwirtschaftlich genutzt.
Abb. 14: In das Haupthaus integrierte Nebengebäude, 2017 (Gerhard Brune)
Abb. 13: Das Haupthaus von Nordwesten, 2017 (Gerhard Brune)
Abb. 15: Das Haupthaus mit Walmdach von Osten, 2017. (Gerhard Brune)
© Helmut Kaufung 2018
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