Von der Bahntrasse zum Naturerlebnis
Direkt zum Seiteninhalt

Die Bauernhöfe in Löttringhausen


Die Löttringhauser Bauernhöfe
Abb. 2: Neben den vier Bauernhöfen gab es 1827 die Kotten Nagel, Eckardt, Herbert, Schlender, Lindenbrink und Wortmann.
(Hücker)

Die vier Höfe 2016: Die beiden Bahnstrecken haben den Kern der Bauerschaft zertrennt, drei Kotten musten dem Bahnbau weichen
(Stadt DO, Katasteramt)
Die viel ältere Bauerschaft Löttringhausen wurde erstmals um 1250 erwähnt. Bei der Dortmunder Fehde 1388/89 und beim Clevischem Erbfolgestreit von 1424 gingen alle Löttringhauser und die Höfe benachbarter Bauerschaften in Flammen auf. Von 1486 bis 1879 hat sich jedoch der Siedlungsstand mit vier Höfen und vier bzw. sechs Kotten kaum verändert.  Die Kotten Wortmann, Herbert und Schlender wurden 1879 vom Bahndamm überdeckt.

Wilhelm Hücker hat 1939 eine Karte der Felderverteilung auch für Löttringhausen gezeichnet. Sie zeigt eine große Zersplitterung, die wegen Nutzung und Unterhaltung weiter Wege für die Pferdekarren einer landwirtschaftlichen Nutzung abträglich war. Das Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486 und das "Kataster der kontribunalen Güter in der Grafschaft Mark von 1705" (Hrsg. Willy Timm, 1980) zeigen die Hofgröße und die steuerliche Belastung:

Möllershof, Hohle Eiche 81
Zu den vier alten Bauernhöfen in Löttringhausen zählt der Möllerhof. Wie die anderen wurde er anscheinend bereits während der ersten Siedlungsperiode zwischen 500 und 900 unserer Zeitrechnung angelegt. In einer Urkunde des Grafen Adolf von Kleve-Mark von 1416 übereignete dieser neben dem Overbeck-Hof in Persebeck und einem Bauerngut in Stockum auch einen Hof in Löttringhausen, den Möller-Hof der Burgkapelle zu Hörde. Der Hofname des Pächters Möller erscheint erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Johann Dietrich von Steinen nennt um 1642 in seiner Westphälischen Geschichte unter den jährlichen Einkünften der Schlosskapelle zu Hörde auch die von Möllers Hof zu „Lorrinckhusen“. 1713 wird der reformierte Pastor zu Hörde als Hofesherr von Möllers Hof erwähnt. 1813 erwarb der Pächter Johann Heinrich Möller von der Hörder reformierten Kirchengemeinde für 1 800 Thaler das Eigentumsrecht. Zusammen mit dem Schmidthof besaß Möller Rechte in der Kleinholthauser Mark und in der Bittermark.

Der Möllershof ist ein stattlicher Bauernhof mit Anbauten und Nebengebäuden. Der Hauptbau ist ein zweigeschossiger Putzbau mit regelmäßig verteilten kleinen Fenstern und mit Haupt- und Zwischengesims (horizontale Schutzleisten für die Wand). Das Obergeschoss ist  niedriger als das Erdgeschoss. Die Anbauten und Nebengebäude sind aus unverputzten Sandsteinquadern errichtet. Der Nordgiebel hat ein Scheunentor, das Giebeldreieck ist verbrettert ohne Fenster, der Südgiebel gemauert mit Fenstern.

Seit etwa 1957 ist die Stadt Dortmund Eigentümerin des Hofes, der von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) bewirtschaftet wird. Sie nutzt das Hauptgebäude hauptsächlich als Einrichtung zur Tagespflege. Einige Räume werden von Parteien, Vereinen und anderen Gruppen zu den unterschiedlichsten Veranstaltungen genutzt. Dabei wird vielfach auch das ausgedehnte Freigelände einbezogen. Die Anlage hat sich nicht nur für Löttringhausen zu einem beliebten sozialen und kulturellen Standort entwickelt.
Abb. 3:  Haupthaus des Möllerhofs von der Vorderseite, 2017 (Gerhard Brune)
Abb. 4: Das Haupthaus des Möllerhofs von Nordwesten, 2017 (Gerhard Brune)
Abb. 5: Das frühere Back- oder Kornhaus diente 1871 nach dem Brand der Langeloh-Schule als Ausweichschule (Heitmann),  Blick von Norden 2017. (Gerhard Brune)
      
Hof Schmidt, Hohle Eiche 76
Tydeman Becker, Priester der Martinskapelle in Dortmund, die dem Grafen von Dortmund gehörte, verpachtete 1455 den Hennekenhof in „Lutferinchusen“ für sechs Jahre an den Baroper Dietrich Koster. Mit der Entmachtung des Dortmunder Grafen durch den Rat der Stadt gelangte der Hof an den Adel, darunter von Voss auf Haus Rodenberg in Aplerbeck und um 1508 von Bodelschwingh auf Haus Ickern. Der Hofname Schmidt war erst seit dem 16. Jahrhundert durch die Pächter gebräuchlich geworden. Das Haus Ickern verkaufte den Hof 1811 an den damaligen Pächter Krumme, genannt Schmidt.

Das zweigeschossige, massive Haupthaus mit steilem Dach, Giebel im Westen und Walm im Osten, stammt vermutlich aus dem Jahre 1849. Es ist aus Ziegeln gemauert und besitzt einen neugotischen Treppengiebel. In der Gebäudemitte ragt als Grenze zum Wirtschaftsteil der Giebel der Brandwand in gleicher Form aus dem Dach. Die Gebäude wurden 1905 durch Blitzschlag vernichtet (Heitmann). Beim Neubau wurde 1911 im Erdgeschoss am Wohngiebel ein Erker mit Balkon angebaut. Die Fenster und das Scheunentor mit Rundbogen im Ostgiebel sind mit Laibungen aus Sandstein eingefasst. Die Gebäudeecken wurden durch Sandsteinquader betont. Die Fenster wurden teilweise erneuert. Das Gebäude wird heute als Wohnhaus und zum Einstellen von Reitpferden genutzt.

Die Gesamtanlage mit Haupthaus, Wirtschaftsteil, Freiflächen, Baumbestand und Einfriedungen des gesamten Geländes sind typisch für das historische, landwirtschaftlich geprägte Ortsbild. Aus diesen Gründen ist die Anlage unter Denkmalschutz gestellt worden.
Abb. 6: Der Schmidt-Hof von Nordwesten, links der Wirtschaftsteil, 2017. (Gerhard Brune)
Abb. 7: Der Schmidt-Hof von Norden, 2017. (Gerhard Brune)
Abb. 8: Der Schmidt-Hof von Südwesten, der Schauseite, 2017. (Gerhard Brune)
Als Schmidt 1878/79 der Rheinischen Eisenbahn Land abtreten musste, legte er die Entschädigung zum Bau einer Wassermühle am nahen Kirchhörder Bach an. Die Kornmühle wurde von einem Mühlrad mit dem Durchmesser von 5,3 m angetrieben, die Stauhöhe des Mühlenteiches betrug fünf Meter (Alfred Heitmann). Der Mühlenbetrieb wurde 1940 stillgelegt (Willi Garth).
Abb. 9: Die noch bestehenden Gebäude der Schmidtschen Kornmühle. Das Mühlrad wurde vom Wasser eines  heute verschwundenen Teiches  angetrieben. Der Teich erhielt Wasser über einen Mühlengraben, der vom Kirchhörder Bach abgezweigt am Fuße des im Osten steil ansteigenden Hanges entlang geführt wurde. 2014. (Gerhard Brune)

Hof Frieg an der Hellerstraße 27
Der sehr alte Hof hatte 1486 und später einen Ffriedach, Frytagh, Frydach und Freytag als Pächter des Grafen von der Mark. Aus diesem Namen ist dann wohl vor 1700 „Frieg“ geworden. Es gab aber auch Einheiraten, wobei immer der Hofname Frieg übernommen wurde. Der Hof ging in Klevisches und später in preußisches Eigentum über; Frieg wurde Domänenhof. Wie der Neuhof besaß der Frieg-Hof Rechte in der Großholthauser Mark, was bei der Markenteilung 1830 berücksichtigt wurde. Der Frieg-Hof wandelte Teile des Waldes in Felder um. 1828 kaufte sich Frieg wie auch der Neuhof vom Staat los. Der wohlhabende Bauer konnte im Nachbarort Kruckel zwei Höfe hinzu erwerben: 1873 den Söllerbeck-Hof durch Einheirat und 1891 den Deilmann-Hof durch Kauf. Mehrfach stellte ein Frieg auch den Amtmann.

Von den im Urkataster 1827 auf der Hofstelle eingezeichneten Fachwerkgebäuden ist keines mehr vorhanden. Nach Einäscherung des alten Hofs durch Brandstiftung ließ der Landwirt Heinrich Frieg 1903 das heute noch vorhandene Hauptgebäude nach den Plänen des Bauamtes des westfälischen Bauernverbandes mit  Werksteinquadern aus Ruhrsandstein errichten (Willi Garth). Die straßenseitige, reich gestaltete Hauptfassade weist einen westfälischen Stufengiebel auf. Im Jahr darauf zerstörte ein Brand alle alten Ökonomiegebäude. Noch im gleichen Jahr wurden sie erheblich vergrößert mit Werksteinquadern, aber in schlichterer Art wieder aufgebaut. Statt der bisherigen lockeren Anordnung der Gebäude entstand nun mit Haupt- und Nebengebäuden ein auf drei Seiten geschlossenes Hofkarree. Bis auf geringfügige Ergänzungen und Reparatur geringer Kriegsschäden ist dieser Bauzustand bis heute erhalten geblieben.

Jahrelang stellte hier die ehemalige Aktienbrauerei ihre Zugpferde, die „Belgier“, für den sechspännigen Festwagen unter. In der Erinnerung daran braut der Landwirt Frieg heute für privaten Verbrauch selbst (Willi Garth). Der Hof wird noch landwirtschaftlich genutzt, es werden auch Reitpferde untergestellt. Die Anlage steht unter Denkmalschutz. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestand auf dem Hof eine Kleinzeche (siehe unter Kleinzechen).
Abb. 10: Der Hof Frieg von Nordosten, der Schauseite, 2017. (Gerhard Brune)
Abb. 11: Der Hof Frieg von Südosten, 2017. (Gerhard Brune)
Abb. 12: Der Wirtschaftsteil von Osten, 2017. (Gerhard Brune)

Hof Fischer-Neuhoff, Schneidersraße 128
Der Hof Hof Neuhoff wird erstmals 1486 im Schatzbuch der Grafschaft Mark mit „Arnt Nyehoff to Lotterinckhusen“ erwähnt, ist aber älter. Nach 1486 hieß er Nyhoff, Newhoff, Neuhoff und heute Fischer-Neuhoff. Das ehemalige Haupthaus, ein stattliches, um 1840 entstandenes westfälisches Fachwerkhaus ist 1911 abgebrannt. Erhalten blieben ein ebenfalls 1840 entstandenes Backhaus und die Reste alter Stallungen. Heinrich Neuhoff ließ 1912 durch den Architekten Adolf Berning ein großzügiges Herrenhaus bauen. Das geputzte Gebäude hat eine stattliche zweigeschossige Fassade mit neoklassizistischen Stilelementen, die Gebäudeecken sind turmartig rund ausgebildet. Ein Portikus wird über eine geschwungene Freitreppe erreicht. Den oberen Abschluss bildet ein Walmdach. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Mehrere Nebengebäude von unterschiedlicher Qualität werden heute noch landwirtschaftlich genutzt.
 
      
Abb. 13: Das Hauptgebäude des Neuhoff-Anwesens von Nordwesten, 2017.
(Gerhard Brune)
Abb. 14: Das Haupthaus mit Walmdach von Südwesten, 2017.
(Gerhard Brune)
Abb. 15: In das Haupthaus integriertes älteres Nebengebäude von Nordosten, 2017
(Gerhard Brune)
       
© Helmut Kaufung 2020
unterstützt von
Zurück zum Seiteninhalt