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Bemerkenswerte Gebäude

Denkmalgeschützte Wohngebäude

In Löttringhausen und in der näheren Umgebung stehen mehrere Gebäude, die unter Denkmalschutz gestellt wurden. Auf den vorderen Seiten wurden schon die Langelohschule (Löttringhauser Str. 237), das Feuerwehrgerätehaus (Hellerstr. 8) und die Höfe Schmidt (Hohle Eiche 76), Frieg (Hellerstr. 27) und Fischer-Neuhoff (Schneiderstr. 127) vorgestellt.

Auch der Großholthauser Waldfriedhof am Rande Löttringhausens hat eine Reihe unter Denkmalschutz gestellte Grabstelen, sowie die Umfriedungsmauer mit eingelegten Grabplatten und das Mausoleum der Familie Schulte-Großholthausen.

Im Folgenden werden weitere unter Denkmalschutz gestellte Wohnhäuser vorgestellt sowie andere interessante Gebäude.


Das Meinberghaus, Schneiderstraße 127
Dieses markante Haus liegt in der Straßengabelung Schneiderstraße/Kruckeler Straße. Die Schneiderstraße geht hier nach Süden in die Blickstraße über, die wegen des Kohlenreichtums der Großholthauser Mark und der Nutzung als Transportweg bis zur Eingemeindung nach Dortmund 1929 Kohlenstraße hieß. Die Aussicht von dieser strategisch wichtigen, unverbauten Stelle war sicher umfassend, sodass man meinen könnte, „Blick“ käme von der schönen Aussicht. Der Name ist jedoch auf den früheren Kotten der Blieckers zurückzuführen, der zum Neuhoff gehörte. Blick bedeutet lt. Hücker auch ein nicht eingezäuntes Gartenland, Blickers Kamp genannt. 1858 errichtete Heinrich Meinberg aus Schüren, der in das gegenüber liegende Eckardtsche  Haus eingeheiratete hatte, dieses zweigeschossige Natursteinhaus. Zwei mächtige Ahornbäume flankieren heute das Gebäude. Es wurde als Wirtshaus „Auf dem Blick“ mit Hausbrauerei und Kegelbahn betrieben und 1864, 1874 und 1908 genannt. Mit dem Tod des Inhabers Wilhelm Meinberg 1949 starb die Familie aus. (Alfred Heitmann)
Abb. 31: Das Meinberg-Wohnhaus von Norden. Hinter dem Wohnhaus lagen die Hausbrauerei mit Gastwirtschaft. 2017
(Gerhard Brune)
Abb. 32: Nordwestliche Giebelseite des Meinberg-Wohnhauses, 2017.
(Gerhard Brune)
Der Werksteinbau aus Ruhrsandsteinen hat ein wuchtiges Satteldach mit Drempel (Erhöhung der traufseitigen Außenwand zur Aufnahme der Dachkonstruktion). Die Hauptfassade mit zwei Vollgeschossen und einem Attikageschoss (niedriges Obergeschoss) enthält sieben Fensterachsen. Drei der mittleren Fensterachsen werden auf den beiden Etagen von je vier säulenartigen Vorsprüngen zusammengefasst. Diese Ordnung wird vom Attikageschoss übernommen. Auf der Rückseite wurde ein holzverkleideter Anbau errichtet.

Die städtebaulich gelungene Platzierung, die anspruchsvolle Gliederung, der saubere Steinschnitt mit dünnen Fugen zeigen eine anspruchsvolle Gestaltung. Das Haus wurde für gehobenen Wohnansprüche gebaut.
Villa Düwelsiepen 1 und 3
Diese im Hintergrund thronende Villa mit einem an der Straße liegenden Nebengebäude für Remise, Stall und Futterraum für Pferde im Erdgeschoss und eine 70 m2 große Kutscherwohnung im Obergeschoss wurde 1912 für den Kaufmann Fritz Gater errichtet. Die Pläne erstellte die renommierte Dortmunder Architektengemeinschaft Dietrich und Karl Schulze. Im Gefolge des Bergbaus und der Industrialisierung kamen unter anderen auch Kaufleute zu Wohlstand und bauten sich herrschaftliche, an ähnliche der Adligen erinnernde Wohnsitze.

Das Haupthaus liegt in einem 9 000 m2 großen parkähnlichem Gelände, hoch auf dem steilen Hang mit langer Zufahrt, zweigeschossig mit Walmdach, reich verzierten Fassaden und Traufgesims. Das nahezu neoklassizistische Gebäude weist der Zeit entsprechend unterschiedliche Stilelemente auf. Dieses harmonische Ensemble ist ein typisches Beispiel seiner Zeit und deshalb von besonderer ortsspezifischer Bedeutung. Die Unterschutzstellung erfolgte 1994.
      
Abb. 33: Villa Gater, Düwelsiepen 3, 2020.
(Gerhard Brune)
Abb. 34: Zur Villa gehörendes ehemaliges Kutscherhaus. Düwelsiepen 1, 2017.
(Gerhard Brune)
Abb. 35: Villa Gater, Düwelsiepen 3, 2017. (Gerhard Brune)
Villa Düwelsiepen 11
Tief im Hintergelände des Düwelsiepens steht hoch am Hang die herrschaftliche Villa Frieg. Sie wurde 1887 für den Fabrikanten Otto Frieg vom Kölner Architekten Carl Georg im Stil der Neorenaissance gebaut, zweigeschossig mit Mansarddach. Ähnlich wie die Villa Düwelsiepen 3 ist es ein typisches Gebäude des aufstrebenden Bürgertums. Die Fassaden sind unter Verwendung historischer Stilelemente reich ausgestaltet . Es steht in einem großen, parkähnliche Gelände mit einer langen, alleenartigen und früher privaten Zufahrt über die heutige Straße Düwelsiepen. Diese Villa orientiert sich dem Zeitgeschmack entsprechend an der Kultur der Adelshäuser, um sich dadurch selbst zu nobilitieren. Sie wurde 1989 unter Denkmalschutz gestellt.

Otto Frieg entstammt dem nahen Hof Frieg und lebte von 1850 bis 1911. Er kam auf die Idee, Öle und Fette für die wachsende Zahl der zu versorgenden Maschinen der Industrie zu produzieren. Die 1879 gegründete Firma hieß „Fabrikation und Großhandlung in technischen Ölen und Fetten“. Er baute ein kleines Produktionsgebäude an der Löttringhauser Straße (heute Hellerstraße) in der Nähe  der Güterabfertigung der 1880 in Betrieb gekommenen Rheinischen Bahn. Die Firma lief gut, so konnte er bereits 1887 oberhalb seiner Fabrik an der Privatstraße ein herrschaftliches Wohnhaus errichten.

Nach seinem Tod erbte sein Verwandter Dr. Paul Hunger Fabrik und Villa. Die Fabrikation lief noch bis 1939, die Gebäude wurden durch Brandbomben zerstört und Dr. Hunger kehrte aus Russland nicht zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestand an der Hellerstr. 52 die Firma Lichtenberg & Co. Chemische Fabrik, die den Betrieb nach 1980 auflöste. Heute besteht hier das Wohngebiet Karlsbank.
Abb. 36: Die Villa Frieg von Südosten, 2017.
(Gerhard Brune)
Abb. 37: Die Villa Frieg von Norddosten, 2017. (Gerhard Brune)

Altes Löttringhauser Zentrum: Schneiderstraße, Ecke Max-Brandes-Straße

Hier stand von 1873 bis 1971 ein Germania-Denkmal. Der Wirt Funke betrieb nebenan die Gaststätte "Zum Blick" mit mehreren Nebenräumen. Er stellte sein Grundstück zur Errichtung eines Denkmals aus Anlass des 1871 gegründeten Kaiserreiches zur Verfügung. Die Gaststätte, zuletzt Tonis Ristaurante, wurde 2020 geschlossen.
Von hier führten die Straßen in den Norden nach Kleinholthausen und Hombruch, nach Süden auf den Schnee und nach Osten über den "Kirchhörder Berg" in das alte bäuerliche Zentrum Löttringhausens und nach Kirchhörde.

Das ehemalige Denkmal

Als um 1965 der Bau der Wohnsiedlung im Bereich der Straßen Langeloh und Schneiderstraße begann, fiel im August 1971 das Kriegerdenkmal am Abzweig der Max-Brandes-Straße von der Schneiderstraße dem Ausbau der Straßen und Bürgersteige zum Opfer. Die Germania-Figur aus Metall soll laut Ruhr-Nachrichten vom 14.1.1972 im „Wirtschaftsgarten des Tierparks“ zwischengelagert worden sein, um es später eventuell im alten Teil des Großholthauser Friedhofs wieder aufzustellen (Alfred Heitmann). Sollte die Figur wiedergefunden werden, sollte man sie museal bewahren.

Beim Abbruch des Denkmalsockels wurde in einer Flasche eine Urkunde gefunden. Sie war am Tag der Denkmalweihe dem Sockel beigefügt worden. Alfred  Heitmann schrieb die Urkunde ab (sieheText).
      Abb. 38: Das Denkmalbild stammt lt. Heitmann von 1929. Offensichtlich gedachten hier die Mitglieder von  Kriegervereinen und die Bevölkerung der Toten wohl vor allem des Ersten Weltkrieges. Das heutige Kriegerdenkmal am Großholthauser Friedhof bestand ja noch nicht. Beim Gedenken sprach auch General von Einem. Rechts ist eine Hauskante zu vermuten.
(Archiv  Karlheinz Strothmann?)

Die Gaststätte "Zum Blick"

Wie oben schon erwähnt, hatte der Wirt Funke der Gastwirtschaft „Zum Blick“ das Grundstück für das Kriegerdenkmal 1873   zur Verfügung gestellt.
Heinrich Wittich von der Kruckeler Gaststätte des August Wittich „Zum Johannisberg“ hatte 1884 die Tochtes Emilie des Wirts Funke geheiratet und betrieb den Gasthof weiter.
     Abb. 39: Die Gastwirtschaft Wittich mit dem Kriegerdenkmal von 1873 und rechts die Brücke über die 1879 eingeweihte Rheinische Bahn Dortmund-Süd-Hagen am Ende der Straße Kirchhörder Berg, um 1900.
(Archiv Geschichtsgruppe Rheinischer Esel Dortmund)
     Abb. 40: Altes Zentrum von Löttringhausen. Das Kriegerdenkmal stand am Abzweig der heutigen Max-Brandes-Str. von der heutigen Schneiderstraße. Kurz nördlich des Denkmals lag die Gastwirtschaft Wittich.
(Ausschnitt Messtischblatt 1936 Witten)
  Abb. 41: Fachwerkhaus der Gaststätte „Zum Blick“ des Wirts Wittich, vorher Funke, in der heutigen Max-Brandes-Str. 25, um 1925. Die rechte Tür führt in den Saal mit Kegelbahn, hinten rechts. (Willemsen-Chronik)
Bereits nach 1873 war die Gastwirtschaft Funke durch einen großen Saal erweitert worden, der Treffpunkt von Vereinen und Ausflüglern war, auch ein Pferdeausspann bestand. Durch den Bau der Rheinischen Bahn nahmen die beiden Löttringhauser Gastwirtschaften einen erheblichen Aufschwung – die Gastwirtschaft Funke  „Zum Blick“ und die von Meinberg „Auf dem Blick“, Schneiderstr. 127.
    Abb. 42:  Dieses Foto wurde 1957 hundert Meter nordöstlich des Gasthauses Wittich nach Norden aufgenommen. Vom Gasthof wird der Blick auf Dortmund ebenso umfassend gewesen sein. Rechts der Luftschacht „Auf dem Blick“ der Zeche Gottessegen. (Ralf Westhelle)
    Abb. 43: Das Gasthaus „Zum Blick“, bis 2020 „Toni`s Ristorante“ ,von der Max-Brandes-Str. aus, 2020
(Tilo Cramm)
      Abb. 44: Im ehemaligen, weiträumigen Saal der früheren Gaststätte an der Max-Brandes-Str. 23 besteht seit 1994 das Atelier des Künstlers Robert Kaller, der die einzige Mosaikbauschule Deutschlands leitet, 2020.
(Tilo Cramm)         
Abb. 45: Ein schönes Beispiel der Kallerschen Mosaik-Kunst, 2020.
(Tilo Cramm)

Wer mehr über diese interessante Technik wissen möchte, kann sich unter www.mosaikbau-schule.de und www.kallerkunst.de informieren.
      Abb. 46: Das Objekt Max-Brandes-Str. 23/25 von der Schneiderstr. aus, 2020. Im Quergebäude hinten links befindet sich die Kunstschule Kaller. Das Längsgebäude hinter der Treppe war die Gaststätte. Es ist unbekannt, wann das frühere Fachwerkgebäude umgebaut und verputzt  wurde.
(Tilo Cramm)
      
In den Jahren 1906/1907 errichtete Wittich zwischen der Gastwirtschaft und dem Denkmal das mehrstöckige Ziegelsteinhaus Max-Brandes-Str. 27, heute braun verputzt. Er hatte die  Lebensmittelhändlerin Schwabe zur Miete, die über die Treppe im obigen Bild zu erreichen war.
      Abb. 47: Das 1906/1907 errichtete Haus an der heutigen Max-Brandes-Str. 27, rechts das Gasthaus Nr. 25, um 1920. Die Tür führte in die hier stationierte Post.
(Archiv Alfred Heitmann)
      Abb. 48: Hier an der linken Hausecke der Max-Brandes-Str. 27 – der Hausanbau vorn kam später - stand das ehemalige Kriegerdenkmal bis 1971, 2020.
(Tilo Cramm)
      
Nach Beseitigung der Kriegsschäden nach 1945 gab der Wirt Wilhelm Wittich aus gesundheitlichen Gründen und wegen fehlender Nachkommen auf und verkaufte den Gasthof  dem Hombrucher Josef Klein. Diese Familie verpachtet bis heute alle Gebäude. Zuletzt war das italienische Feinschmecker-Restaurant „Toni“ Anziehungspunkt – ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Es war wegen des Gasthofsterbens das letzte Restaurant in Löttringhausen, Großholthausen und Kruckel-Persebeck.


Weitere bemerkenswerte, nicht denkmalgeschützte Gebäude
Der Eckardt-Kotten
1775 erwarb der Schichtmeister Christoph Dietrich Eckardt durch Heirat mit Catharina Elisabeth Bergmann den Kotten Bergmann am Blick. Vor ihm hatte hier seit 1764 als Einlieger oder Pächter der Hörder Elias Hemesath gewohnt. Er übernahm 1774 den Kruckeler Deilmann-Hof und nannte sich nun Deilmann. Sein Nachkomme Carl Deilmann gründete 1889 eine weltbekannte Schachtbaufirma.
Christoph Dietrich Eckardt betrieb eine kleine Landwirtschaft und nahm auch Markenrechte wahr. Hauptberuflich war er für Kohlenförderung und -verkauf sowie für die Abrechnung der nahen Stollenzechen zuständig. Um 1850 heiratete Heinrich Meinberg aus Schüren die Witwe des Schichtmeisters Caspar Heinrich Eckardt, wohl ein Nachkomme von Christoph Dietrich. Caspr Heinrich erwarb den benachbarten Blieckers Kotten, riss ihn ab und errichtete gegenüber die Gastwirtschaft Meinberg „Auf dem Blick“ (Hücker und Alfred Heitmann).
     Abb. 49: Der ehemalige Bergmann- bzw. Eckardt-Kotten, Schneiderstraße 125, 2020.
(Tilo Cramm)
Der Linnenbrink-Kotten
      Abb. 50: Am Abzweig der Kobbendelle (rechts) von der Straße Hohle Eiche steht der vom Ende des 17. Jahrhunderts stammende Kotten Linnenbrink, Hohle Eiche 90, dessen Aufsitzer auch das Recht hatte, die Großholthauser Mark als Viehweide zu benutzen, 2017.
(Gerhard Brune)
Hellerstraße 21
Abb. 51: Ein stilistisch gut geformtes Wohnhaus aus Ziegelsteinen, Hellerstraße 21, 2017.
(Gerhard Brune)
Ehemaliges Lebensmittelgeschäft Düser
      Abb. 52: Das interessante Haus an der Schneiderstraße 113 aus Mauerziegeln mit niedrigerem Nebengebäude hatte das Lebensmittelgeschäft Bernhard Düser beherbergt, 2020.
(Gerhard Brune)
Die ehemalige Dorfschmiede
      Abb. 53: Im Anbau links des Hauses Max-Brandes-Str. 28 befand sich die frühere Dorfschmiede Hansch, später Groth. Hier wurden früher auch die Hufe der Bauernpferde beschlagen, 2020.
(Tilo Cramm)

Für Mithilfen bei den Gebäude-Recherchen im „Zentrum“ von Löttringhausen sei Willi Garth und Dietrich Schlender herzlich gedankt!
© Helmut Kaufung 2020
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