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Die Langelohschule

Die Anfänge der Langelohschule reichen in das 18. Jahrhundert zurück. Die Kinder des damaligen Kirchspiels Kirchhörde wurden vom Küster der Patrokluskirche in Kirchhörde unterrichtet. Der Schulbezirk reichte vom Hombruch im Norden bis zum Schnee und zur Viermärker Eiche im Süden, von Kruckel im Westen bis Kirchhörde im Osten.

Um 1714 gab es in der Kirchengemeinde einen Streit über die Gründung einer zentral gelegenen Schule, um den Kindern den weiten Schulweg abzukürzen und auch die Küster- von der Lehrerstelle zu trennen. Diese Forderung erhoben besonders die Bauern von Großholthausen und Kruckel. Sie setzten sich durch.

Die neue Schule muss dann bereits vor 1740 am Langeloh errichtet worden sein, weil es in diesem Jahr ihre erste urkundliche Erwähnung und des Grundstücks des Lehrers gab, das Kamp genannt wurde. Die Schule enthielt ein Klassenzimmer und eine Lehrerwohnung. Neben dem Gebäude wurde auch ein Stall mit Scheune für Vieh, Ackergeräte und Erntevorräte errichtet, da der Lehrer auf die Eigenversorgung angewiesen war und auch das Huderecht in der Großholthauser Mark mit mindestens einer Kuh besaß.

Von 1784 bis 1807 musste die Kirchengemeinde die Schule zum Gottesdienst nutzen, weil die baufällige St. Patroklus-Kirche in Kirchhörde neu errichtet wurde. 1810 diente die Schule den Kindern von 96 Familien (Heitmann).

Wegen der steigenden Schülerzahlen wurde 1822 (1828 lt. Heitmann) neben dem Hauptgebäude ein zusätzliches Gebäude mit einem Klassenraum gebaut. Wegen seiner kubischen Form mit Pyramiden- oder Walmdach hieß es im Volksmund „die Kaffeemühle“. Sie wurde sonntags für den evangelischen Gottesdienst genutzt.

Nach Hücker und Heitmann bedeutet Langeloh „langer Wald“. Er war die ehemalige Landwehr und Grenze zwischen der Großholthauser und Kleinholthauser Mark. Der Bewuchs der Landwehr bestand noch bis 1905 und Alfred Heitmann berichtet, er sei in seiner Jugend den Weg auf dem Landwehrwall entlang gegangen.
Abb. 16: Das Haupthaus der Langeloh-Schule aus der Zeit vor 1740, das 1870 abbrannte, links der zweite Bau von 1822 oder 1828, „die Kaffemühle“, nach 1925 abgebrochen.
In den 1840er Jahren besuchten die zwei jüngsten Kinder Friedrich Harkorts die Langeloh-Schule. Bei vom Regen und Schnee aufgeweichten Pfaden oder Hochwasser des Kirchhörder Baches am Froschloch kamen sie zu Pferd. Das berichtete auch die Lehrerin Maria Serwe, deren Vater bei Friedrich Harkort als Schreiner beschäftigt war und 1880 dessen Sarg anfertigte (Schulakte und Alfred Heitmann).

Das Hauptgebäude mit Lehrerwohnung brannte am 21.11.1870 ab und wurde erst 1875 durch einen Neubau mit einem Klassenzimmer und zwei Lehrerwohnungen ersetzt. Während der Bauzeit fand der Unterricht auf dem Möllershof statt.

Mit der durch die Industrialisierung zunehmenden Bevölkerung wurden in den Nachbar-Ortsteilen nach und nach weitere Schulen gebaut: in Kirchhörde 1862, auf dem Schnee 1875, in Kruckel 1900 und Kleinholthausen 1904. Nach längerer Planungszeit wurde 1929 im Langeloh eine neue, größere Schule mit drei Klassenzimmern, einem Physikraum einer Lehrküche, einem Zeichensaal und einem Schulgarten fertig. Sie war damals die modernste Schule Dortmunds.
Abb. 17: Der heute noch bestehende "Neubau" von 1929, 2017 (Gerhard Brune)
Vor der Schule steht ein Denkmal zur Erinnerung an den „Vagabundendichter“ Peter Hille, der von 1854 bis 1904 lebte. Das mit einem Brunnen verbundene Hille-Relief stellte der Bildhauer Josef Voßhans in der Hombrucher Werkstatt Röscheisen her. Der Rektor der Langeloh-Schule Ewald Reincke und Mitglied im damaligen Dortmunder Peter-Hille-Bund ehrte ihn durch Aufstellung und Einweihung des Denkmals am 11.9.1929, dem 75 .Geburtstag des Dichters.

Obwohl Peter Hille nie in unserer Region wohnte, wurde in Kirchhörde eine Straße nach ihm benannt. Heitmann schreibt: "Man kann ihn nicht kurz als ruhelosen, befremdlichen Menschen bezeichnen, der überall auftauchte und stets einen alten Seesack bei sich hatte für seine Manuskripte und dass er zwischen den Zeiten und Stilen lebte. Sein Name ist auch mit Achtung und Ehrfurcht genannt worden und 1921 erschienen seine Dichtungen in Berlin, die auch in der Dortmunder Stadt- und Landesbibliothek vorhanden sind."

Der begabte Lehrer und Rektor und SPD-Stadtverordnete Ewald  Reincke wurde 1933 gemeinsam mit Landrat Wilhelm Hansmann von den Nationalsozialisten verhaftet, aus ihren Berufen entlassen und drangsaliert.
     Abb. 18: Skulptur des Dichters Peter Hille, die ursprünglich den Schulbrunnen zierte. Dieser  fiel dem Straßenbau zum Opfer. Rektor Karl-Heinz Bartsch rettete die Skulptur und stellte sie vor der Schule auf. 2017.
(Tilo Cramm)
Zum Ende des Zweiten Weltkrieges hatte die Geheime Staatspolizei Hörde 1944 in der Schule eine Nebenstelle eingerichtet und 1945 hier alle sie belastenden Akten verbrannt.

Der Schulbau von 1929 besteht noch heute und kam 1987 wegen seiner neobarocken Bauart unter Denkmalschutz. Mit Entstehung der Löttringhauser Großsiedlung in den 1960er und 1970er Jahren erhielt die Schule 1969 nebenan ein zusätzliches, modernes Gebäude. Es folgten noch eine Turnhalle, ein Schulpavillon, ein Sportplatz und ein Pavillon für die OGS, die offene Ganztagsgrundschule, die die Betreuung und zusätzliche Förderung der Schulkinder bis in den Nachmittag ermöglicht.
Abb. 19: Der Zusatzbau aus den 1960er Jahren, 2017. (Gerhard Brune)
Im Jahr 1990 wurde durch Initiative des Rektors Karl-Heinz Bartsch das Jubläum 250 Jahre Langeloh-Schule gefeiert. Herr Dr. Ingo Fiedler hielt die Festrede.


Im Schuljahr 2012/13 wurde die Langeloh-Grundschule organisatorisch mit der Harkort-Grundschule in Hombruch zusammengelegt.
© Helmut Kaufung 2020
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